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Integration mit Familienanschluss

Patenschaft für Flüchtling Integration mit Familienanschluss

Angela Lehnhardt und Karsten Schubert aus Warder haben die Patenschaft für den Afghanen Imran Khan übernommen. Imran Khan ist 19 Jahre alt und kommt aus Gardez in der Provinz Paktia im Osten Afghanistans.

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Beim Spielen mit seinen Paten-Großeltern Angela Lehnhardt und Karsten Schubert lernt der 19-jährige Imran Khan (Mitte) aus Afghanistan ganz nebenbei Deutsch. Bei Mau-Mau gewinnt er fast schon jede Runde.

Quelle: Nora Saric

Nortorf/Warder. Zu Fuß ist er allein zwei Monate lang vor der Bedrohung durch die Taliban nach Deutschland geflohen. Im Sommer hat er Nortorf erreicht und in Warder eine Paten-Familie gefunden. Angela Lehnhardt und Karsten Schubert sind für ihn Oma und Opa.

Glücklich sieht der junge Afghane aus, als er mit Oma und Opa am Wohnzimmertisch sitzt und Mau-Mau spielt. Es duftet nach Kaffee und das Honigbrot schmeckt gut. Schon wieder gewinnt Imran die Partie. „Schon nach dem dritten oder vierten Mal hat er das Spiel total verstanden, obwohl er Karten spielen vorher überhaupt nicht kannte“, erzählt Karsten Schubert. Imran lerne außerdem unheimlich schnell Deutsch und könne bereits hervorragend verstehen und lesen. Dabei ist er erst seit knapp fünf Monaten hier. „Wir haben ihn in unser Leben aufgenommen. Ich glaube, dass nur so wirkliche Integration geschehen kann“, findet Angela Lehnhardt.

Es sind die Paten, die Flüchtlinge wirklich brauchen, um richtig in Deutschland ankommen zu können, finden die 66- und der 70-Jährige. Dass sie sich einen Fremden „ins Haus geholt“ haben, sehen sie als großen Vorteil für beide Seiten an, obwohl sie bereits auf Unverständnis gestoßen sind. Helfen aus der Distanz ja, aber auf keinen Fall nach Hause holen, man könne ja nie wissen, wie der ist, beschreibt Angela Lehnhardt die Reaktionen anderer. „Ich glaube, das ist eine Ur-Angst. Ich weiß nicht, was die Leute sich vorstellen. Ich würde da gerne aufklären.“

Imran war gerade erst angekommen, da wurde er seinen Paten-Großeltern vom Freundeskreis für Asylsuchende im Nortorfer Land (FANL) vorgestellt. „Am Anfang waren wir alle noch ziemlich verklemmt“, beschreibt Lehnhardt. „Ein Stück Vertrauensvorschuss braucht es auf jeden Fall.“ Imran wohnt mit drei weiteren Männern in einer Wohnung in Nortorf, ist aber fast täglich bei Oma und Opa. Seit vergangener Woche geht er in Rendsburg zum Deutschunterricht. Außerdem besucht er einen zusätzlichen Kurs in Nortorf vom FANL. Seitdem sehen sie sich etwas weniger. Er würde gerne später auf eine weiterführende Schule gehen, erzählt Imran.

Der Familienanschluss ist geglückt: Angela Lehrhardts Enkelkinder sind schon große Fans von ihrem neuen Bruder. Sie sitzen zusammen und erklären Wörter, sie spielen Fußball, sind gemeinsam Laterne gelaufen und malen sich gegenseitig Bilder. „Wir machen viele einfache Dinge“, erzählt Schubert. „Wir gehen mit dem Hund spazieren oder gemeinsam einkaufen.“ Imran helfe außerdem gerne und viel im Garten. „Die Patenschaft ist völlig losgelöst von Pflichten. Niemand schreibt vor, wie oft oder wie lang man etwas macht“, wirbt die Paten-Oma, damit auch andere Menschen diesen Schritt gehen. „Man sollte immer so viel Hilfe leisten, dass man selbst noch im Gleichgewicht bleibt. Ich habe so viel Freude mit Imran, ich wette, das würde den meisten so gehen.“

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