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Ein Hauch des Kalten Krieges

Eiderschlösschen in Rendsburg Ein Hauch des Kalten Krieges

Zweifach ist das Eiderschlösschen in Rendsburg gesichert. Ein hoher Bauzaun umgibt das rote Backsteingebäude in der früheren Eiderkaserne am Paradeplatz. Ein Vorhängeschloss sichert die Tür mit dem Warnhinweis „Lebensgefahr“. Auf der Steintreppe dahinter führt der Weg tief in den Kalten Krieg.

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Das im Volksmund liebevoll Eiderschlösschen genannte große Mannschaftshaus war vor 110 Jahren das erste Gebäude auf dem Gelände der Eiderkaserne.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Rendsburg.  „Zutritt verboten!“, steht auf dem gelben Schild an Tür zum viergeschossigen Eiderschlösschen. Endstation? Wenigen ausgewählten Besuchern kann Stefan Vollertsen vom Bauamt der Stadt helfen. Denn er hat den Schlüssel zu diesem großen Mannschaftshaus, das vor 110 Jahren als erstes Gebäude in der Kaserne entstand.

 Ein kühler Lufthauch, Staub, Erinnerungen an die letzten Tage der Bundeswehr in Rendsburg und den Kalten Krieg empfangen drinnen den Besucher. Gleich rechts hinter der Tür ist die längst verlassene Kabine des Unteroffiziers vom Dienst. Wer abends nach einer Zechtour kam, musste hier vorbei. Wie vergessen hängt hinter der Scheibe in einer Klarsichthülle der Zettel, wo der Unteroffizier von Dienst grade ist, wenn nicht in der Kabine. Ein roter Schiebepfeil gibt Möglichkeiten an: „kommt gleich wieder“, „ist auf Kontrollgang“, „ist auf Toilette“.

 Vor sieben Jahren rückten die letzten Soldaten aus der Eiderkaserne aus. Das Fernmeldebataillon 610 und das Nato-Hauptquartier Landjut waren hier. Zehn Jahre früher war ein paar hundert Meter vom Paradeplatz entfernt mitten der Stadt der Kalte Krieg gegenwärtig. Die Angst vor Ost-Spionen ist noch heute greifbar. Zum Beispiel im sogenannten Kryptoraum am Ende eines rund 80 Meter langen Gangs im Erdgeschoss. Düster ist der Flur, weil die teils eingeschlagenen Fenster mit Spanplatten zugeschraubt sind. „Alles ist abgeklemmt“, sagt Stefan Vollertsen. Strom, Gas, Wasser gibt es nicht mehr im Gebäude. Sicherungskästen stehen offen, zwischen den mit roten Klinkern gemauerten Eingängen zu Stuben und Büros lehnt hier und da eine Spanplatte an der Wand. Putz bröckelt auf den staubigen Linoleumboden, das Glas von Zwischentüren ist eingeschlagen. Fahles Tageslicht fällt erst wieder durch schmutzige Scheiben in den Kryptoraum. Noch hängen die Aufkleber für Handyverbot und die Sperrzone „Restricted Area“ unter und über dem vergitterten Türfenster. Drinnen stehen zwei geöffnete Panzerschränke mit Schließfächern hinter 20 Zentimeter dickem Stahl. Im Schrank lagen die Verschlüsselungsgeräte. Funktrupps bekamen hier die Kryptographen, die die Signale zerhackten.

 Ein paar Treppen höher liegt noch immer kalter Brandgeruch in der Luft, die Decke ist verrußt, getrocknetes Löschwasser hat schwarze Bänder an den Wänden gezogen. Vor zwei Jahren haben hier Einbrecher Feuer gelegt. Im Aufenthaltsraum, wo Unteroffiziere bei Kaffee und Mettbrötchen ihre „Nato-Pause“ nahmen, züngelten Flammen. Dem von der Büdelsdorfer Firma Heinrich Brand errichteten norddeutschen Renaissance-Bau konnten sie nichts anhaben.

 Das Eiderschlösschen gehört der Stadt. Sie will es verkaufen. Das sei wegen der Größe schwer, sagt Frank Thomsen, der Leiter des Bauamts. Ohne Dachgeschoss und Keller hat das Gebäude innen die Fläche von Zweidritteln eines Fußballplatzes. Aber es gebe einen „ernsthaften Interessenten“, der eine soziale Einrichtung und Wohnungen plane.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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