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Schlafen geht nur noch mit Ohropax

Bahnlärm Schlafen geht nur noch mit Ohropax

Die Zeit läuft ab. Nur noch bis Dienstag können Bürger bei einer Bahnlärm-Umfrage des Eisenbahn-Bundesamts im Internet mitmachen. Anlieger der Eisenbahnhochbrücke leiden besonders. Bisher war die Teilnahme verhalten. Es gibt Kritik.

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 Ein Güterzug donnert über die Eisenbahnhochbrücke in Rendsburg in Richtung Hamburg.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Rendsburg. So haben in Frankfurt und Umgebung laut Internet-Seite der  Umfrage bis Ende Mai nur rund 700 Anlieger mitgemacht, im Raum Hannover waren es 300, in Hamburg und Umgebung 650, in Kiel 13, in Nortorf vier, im Raum Rendsburg 66, in Neumünster hat nur ein einziger Anlieger teilgenommen.

„Leider wurde die Umfrage vollkommen unzureichend beworben und ist kaum bekannt“, sagt Franz Thönnes, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Stormarn. Er appelliert: „Jetzt Chance zur Teilnahme bis 30. Juni nutzen.“ Das Eisenbahn-Bundesamt begründet die Umfrage so: „Wir möchten die Lärmsituation an Haupteisenbahnstrecken noch transparenter darstellen und so darauf hinwirken, die Lärmbelastung weiter zu senken.“

Ursprünglich sollte die Befragung am 31. Mai enden, sagte Christian Kraft, Sprecher des Eisenbahn-Bundesamtes, am Donnerstag. Die Behörde habe sie nun bis zum 30. Juni verlängert. Kommunen hätten unter anderem darum gebeten.

Anlieger der Hochbrücke sind in Rendsburg und Osterrönfeld besonders genervt. Immer wieder sind es die Güterwaggons, über die sich Anlieger beklagen. Über 800 Meter lange Züge mit mehr als 80 Waggons dürfen inzwischen mit einer Sondergenehmigung zwischen Dänemark und Maschen verkehren. Auf dieser Strecke liegt die Eisenbahnhochbrücke.

„Ganztägig“ belästige ihn der Eisenbahnverkehr auf der Hochbrücke, gibt ein Nachbar aus der Missundestraße bei der Umfrage an. Wann ihn der Lärm besonders stört? Der Anlieger zählt in seinem Internet-Fragebogen auf: „Beim Lesen, Nachdenken oder Konzentrieren. Bei Entspannung und Feierabendruhe. Bei Unterhaltung und Gesprächen im Freien. Bei Aufenthalt und Erholung im Freien. Beim Einschlafen.“ Es nervten Brückendröhnen, das Quietschen in den Kurven sowie Bremsgeräusche. Genauso leidet ein Osterrönfelder aus der Wilhelm-Hartz-Straße.

In und am Rendsburger Stadtteil Schleife, die die Bahnlinie auf der Eisenbahnhochbrücke und einem Bahndamm umrundet, haben sich laut Internet-Seite des Eisenbahn-Bundesamtes bis Ende Mai nur zehn Anlieger an der Umfrage beteiligt. Die Stadtverwaltung hat nicht laut getrommelt. Rendsburg habe im amtliche Mitteilungsblatt im Mai hingewiesen und auf seiner Internetseite, sagt Bürgermeister Pierre Gilgenast. Er habe „keine Welle der Beteiligung“ bemerkt. Bei Bürgersprechstunden habe er auf die Umfrage hingewiesen, wenn das Thema aufkam.

Anders in Osterrönfeld. Aus dem Rendsburger Vorort registrierte das Eisenbahn-Bundesamt bis Ende Mai 50 Reaktionen auf seiner Internetseite. Dort hat Bürgermeister Bernd Sienknecht zur Teilnahme aufgerufen, und der Gemeindepolitiker Klaus Ströh hat unter Nachbarn geworben.

Klaus und Brigitte Ströh wohnen in Osterrönfeld am Übergang von Bahndamm zur Eisenbahnhochbrücke. Foto: Hans-Jürgen Jensen

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Brigitte und Klaus Ströh kennen beides: Das Quietschen der Räder in der Kurve auf dem Bahndamm und das Poltern der Waggons auf der Hochbrücke. Das Osterrönfelder Ehepaar wohnt nicht weit entfernt vom Übergang von Bahndamm auf die Brücke. Vor dem Reihenhaus deutet Klaus Ströh auf die gemütliche überdachte Sitzecke: „Unsere wunderschöne Terrasse können wir kaum nutzen.“ Als er von einem Bekannten von der Umfrage erfuhr, ging Ströh durch die Nachbarschaft und verteilte Zettel mit der Internet-Adresse der Umfrage.

Seit 30 Jahren wohnt das Ehepaar an der Fehmarnstraße. „Damals konnte man nicht überblicken, welches Ausmaß das annimmt“, sagt Brigitte Ströh. Es wurden immer mehr Züge. „Fernsehen ist unmöglich bei geöffnetem Fenster.“ Ehemann Klaus ergänzt: „Ich habe nachts immer Stöpsel in den Ohren.“ Seine Frau sagt: „Durchschlafen geht nicht mehr. Man wird wach, wenn die Züge rumpeln.“ Klaus Ströh: „Es ist eine Katastrophe. Wir hoffen, dass die Umfrage etwas bewirkt.“

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
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