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Der Kittel hängt noch in der Ecke

Ein Laden im Museum Der Kittel hängt noch in der Ecke

8853 lautet die Inventarnummer des Tresens aus dem Eisenwarenladen von Paul Matz im historischen Museum Rendsburg. Das rund 100 Jahre alte Möbelstück, das bis 1993 in Betrieb war, versprüht Nostalgie pur. Bei vielen Besuchern ruft es Erinnerungen hervor.

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Museumsmitarbeiter Lars Mischak braucht einen Greifer, um an die oberen Schubladen des Eisenwarenladens von Paul Matz zu kommen. Vorne ist angeschraubt, was drinnen lagert.

Quelle: Malte Kühl

Rendsburg. „Paul Matz war in Rendsburg eine Institution“, erzählt der Museumschef Martin Westphal. Schrauben konnten Kunden hier noch lose und nach Gewicht kaufen. Als er 1990 nach Rendsburg kam, habe er zu Fuß die Stadt erkundet, um sie besser kennen zu lernen, sagt Westphal. Schnell fiel ihm im Stadtteil Neuwerk der Laden Paul Matz auf. Das Geschäft war ein Mittelpunkt, die Marktleute trafen sich dort nach Feierabend. „Haben wir nicht, geh mal zu Matz“, war ein geflügeltes Wort in Rendsburg, erläutert Martin Westphal.

 1889 gründete der Kaufmann Ferdinand Piening das Eisenwarengeschäft, erläutert der Museumschef. Der Händler wollte vom damaligen Kanalbau profitieren und hat dies als Zulieferer auch gemacht. 1932 kaufte schließlich die Rendsburger Familie Dittmer den Laden und gab ihn 1936 an Paul Matz weiter. 1960 übernahm Sohn Wolfgang das Geschäft und führte es bis zu seinem Ruhestand 1993. „Die Ladeneinrichtung ist seit der Gründung durch Ferdinand Piening bis zur Geschäftsaufgabe von Wolfgang Matz nahezu unverändert geblieben“, sagt Westphal. Auch die Präsentation im Museum ist der Stand des Ladens am 30. September 1993, meint der Museumsleiter.

 „1992 habe ich Wolfgang Matz gefragt, was mit der Einrichtung passiere, wenn er in den Ruhestand gehe“, sagt Martin Westphal. Dieser meinte, dass er den Laden wohl an die Straße stellen wolle, da es keinen Nachfolger gebe. Daraufhin habe er mit Matz abgemacht, wenn es soweit sei, solle der Eisenwarenhändler ihn anrufen, im Museum gebe es einen Platz für den Laden. Im September 1993 war es soweit.

 „Wir haben im Museum versucht, den gewachsenen Charme und das unverwechselbare Ambiente dieses charakteristischen Eisenwarenladens zu erhalten“, sagt Westphal – ein Eisenwarenladen, der sich bis zum Schluss den Neuerungen unserer modernen Verkaufswelt widersetzt hat.

 Viele Besucher hielten bei Museumsführungen kurz inne und erinnerten sich an den Laden von Paul Matz. Noch immer hängt der Kittel, den der Inhaber getragen hat, in der Ecke. Gleich daneben ein Greifer, damit Wolfgang Matz die Schubladen öffnen konnte, in denen immer das war, was er suchte. Ein echtes Unikat ist das Preisbuch, das auf dem Tresen liegt. „Selbst Paul Matz hat es schon benutzt“, erläutert Martin Westphal, immer wenn sich Preise änderten, hat der Inhaber sie ausradiert und mit Bleistift neu geschrieben.

 Auch Jahre nach der Übergabe an das Museum durfte Wolfgang Matz immer noch in seinen Laden, sagt Westphal. Er kam immer mit seinem Enkel und hat Kaufmannsladen gespielt. Das war immer ein Spektakel für die Besucher, wenn der Senior hinterm Tresen stand und der Enkel Schrauben oder Batterien kaufen wollte.

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