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Herzlich Willkommen in Rendsburg

Erste Flüchtlinge eingetroffen Herzlich Willkommen in Rendsburg

Die ersten Flüchtlinge sind in der neuen Erstaufnahmestelle des Landes in Rendsburg eingetroffen. Am Sonnabend kurz vor 16 Uhr brachten Busse die Menschen in das Containerdorf am Rande der Stadt. Im Laufe des Nachmittages sollten insgesamt etwa 240 Menschen eintreffen.

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Die ersten Flüchtlinge sind in Rendsburg eingetroffen.

Quelle: Michaels Kaniecki

Rendsburg. Noch während die Helfer von Deutschem Roten Kreuz (DRK) und Technischem Hilfswerk (THW) 75 Wohncontainer aufstellten, Strom- und Wasserleitungen verlegten sowie Betten und Tische von Paletten wuchteten, korrigierten die Mitarbeiter der Erstaufnahme in Neumünster die Zahl der Flüchtlinge für Rendsburg nach oben. Statt der erwarteten 150 kamen am Sonnabend bereits mehr als 200 Menschen in das eilig errichtete Containerdorf. Dort wurden sie von Helfern und Vertretern aus Lokal- und Landespolitik freundlich empfangen. "Welcome to Rendsburg", hatten Aktivisten auf ein großes Banner am Eingang des Geländes geschrieben. 

Die Menschen aus Bürgerkriegsländern wie Syrien, Afghanistan oder Eritrea, darunter gestern auch viele Kinder, verließen die Busse meist nur mit ein paar Taschen oder Einkaufstüten in ihren Händen. Etwa zwei Dutzend DRK-Helfer sowie zahlreiche Übersetzer, die sich spontan am Camp eingefunden hatten, nahmen die Menschen in Empfang.  

In den kommenden Wochen soll das Containerdorf auf einem angrenzenden etwa vier Hektar großen Grundstück immer weiter ausgebaut werden. Schließlich sollen etwa 800 Flüchtlinge dort Platz finden und dann nach und nach auf die Landkreise verteilt werden. Parallel dazu werde über die Asylanträge der meisten Flüchtlinge entschieden.

"Es weiß im Moment keiner, wie viele Menschen auf dem Weg zu uns sind", sagte Innenminister Stefan Studt (SPD), vor Ort. "Uns ist jetzt wichtig, dass jeder ein Bett und ein Dach über dem Kopf bekommt." Studt betonte, dass das Rendsburger Camp nur eine Übergangslösung sei. In der zentralen Erstaufnahmestelle in Neumünster sowie in den anderen Unterkünften in Boostedt, Seeth, Albersdorf und Malente sind derzeit nach Angaben des Innenministeriums keine Plätze mehr frei. In diesem Jahr kamen bis jetzt mehr als 10500 Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein, 2014 waren es insgesamt 7600.  

Während des ganzen Tages kamen immer wieder Menschen an das Gelände im Norden Rendsburgs, um Sachspenden wie Kleidung, Schuhe und Spielzeug abzugeben. Ein gutes Dutzend Helfer lagerte die Kisten in einem Container ein. Künftig soll diese direkte Hilfe jedoch besser koordiniert und an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Dazu hat die Stadt ein Infotelefon eingerichtet. Unter der Rufnummer 04331/206 647 sollen die Angebote für Sachspenden entgegengenommen und weitergegeben werden. Bereits am Vormittag hatte sich in Rendsburg ein Unterstützerkreis getroffen, der künftig die Arbeit der Ehrenamtler und die Sachspenden koordinieren will. Die Koordination hat Jörgen Johannsen von der örtlichen Volkshochschule übernommen, der unter johannsen@vhs-rendsburg.de erreichbar ist.

Am Mittwoch ist gegenüber des Geländes der Aufbau einer dauerhaften stationären medizinischen Einrichtung - einem mobilen Krankenhaus - geplant. Dazu wird das Universitätsklinikum (UKSH) Ärzte, medizinisches Personal und Material nach Rendsburg entsenden, kündigte Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast (SPD) an. Auch die Polizei hat sich auf dem Gelände eingerichtet und soll parallel zu einem privaten Sicherheitsdienst ein Auge auf die Einrichtung haben. Die derzeitige Mobile Wache soll in den kommenden Tagen ebenfalls durch Container ersetzt werden.      

"Selbstverständlich wird Rendsburg helfen", diesen Satz habe er in den vergangenen Tagen immer wieder gehört, sagte Gilgenast und sprach angesichts der Eile, mit der die Einrichtung aus dem Boden gestampft wurde, von einer besonderen Situation. Elf Flächen habe die Stadt ins Auge gefasst und sich schließlich für die Grasfläche am Stadtrand entschieden, so der Bürgermeister. "Nach wie vor ist es schade, dass es offenbar nicht möglich ist, in der naheliegenden, sich im Privatbesitz befindenden und größtenteils leerstehenden Kaserne Flüchtlinge unterzubringen", ergänzte Kai Dolgner, innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Die Rendsburger CDU sagte ebenfalls ihre Unterstützung zu und stelle sich der Herausforderung. Aber: "Wir fordern das Land und den Bund auf, die kommunalen Anstrengungen zu unterstützen", so der CDU-Ortsvorsitzende Ralf Kaufmann. Eine Aufstockung der Landes- und Bundesmittel sei dringend erforderlich, um "eine Integrationsleistung dieser Größenordnung auch nur im Ansatz bewältigen zu können."  

Die Stadt Rendsburg hat für den Montagabend eine Informationsveranstaltung angesetzt. Bürgermeister Pierre Gilgenast und Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler wollen alle Interessierten um 19 Uhr im Kulturzentrum in der Arsenalstraße 10 informieren und dort auch Hilfsangebote von Seiten der Bevölkerung entgegennehmen.

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Ein Artikel von
Paul Wagner
Redaktion Lokales Kiel/SH

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