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Mit Leichtigkeit und Humor

Gettorf Mit Leichtigkeit und Humor

Kinder quengeln, toben, provozieren mit Schimpfwörtern oder wollen abends nicht ins Bett: „Es ist gar nicht so einfach mit der Erziehung“, stellte Eva Kessler am Mittwochabend in Gettorf fest. Einige der rund 100 Besucher im Gemeindehaus nickten zustimmend. Doch Böses führe der Nachwuchs dabei gar nicht im Schilde, erläuterte die Erziehungsberaterin, Buchautorin und fünffache Großmutter.

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Gibt Eltern anschaulich und unterhaltsam Tipps für den Umgang mit den Lütten: Eva Kessler, die Erziehungsberaterin und fünffache Großmutter ist.

Quelle: Budde

Gettorf. Warum die Lütten im Kita-Alter ihre Eltern mitunter auf eine harte Nervenprobe stellten, schilderte die Kronshagenerin in einen zweistündigen Vortrag, den Kindertagesstätten im Dänischen Wohld arrangiert hatten.

 Was braucht eine gute Beziehung zwischen Eltern und Kindern? „Ich erzähle meine Version“, unterstrich Eva Kessler. Sie selbst habe auch aus Fehlern gelernt. Die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit beginne schon als Kleinkind. Die Lütten beobachteten Eltern, Omas und Opas ganz genau. „Mit der Sprache kann man wunderbar lügen“, so die 61-Jährige mit dem Lockenkopf. Wenn Mama aber ihre Augenbrauen hochziehe, verrate das viel mehr über ihre Gefühlslage. Ob angespannte Muskeln, heruntergezogene Mundwinkel oder eine laute Stimme – Kinder registrierten alles. Droht Ärger? Oder ist gute Laune angesagt? Es ist auch Selbstschutz.

 Kinder strebten grundsätzlich nach Geborgenheit, sagte Eva Kessler. Doch die Hektik des Alltags störe allzu oft die Harmonie. Zumal der Stress in der Gesellschaft nach ihrer Einschätzung zugenommen habe. Dabei wollten die Erwachsenen eigentlich liebevoll sein. Was aber nicht immer leicht falle, wenn sie Beruf und Familie unter einen Hut bringen müssten. Die Trotz-Phase ihrer zweieinhalb- bis dreijährigen Kinder quittierten Eltern oft mit Sorgenfalten oder Schimpferei. „Eigentlich wollen sie ihre Eltern gar nicht ärgern“, so Eva Kessler, „dafür lieben sie sie viel zu sehr.“ Vielmehr gehe es um die erste Abnabelung.

 Ob nun provokante Schimpfwörter, deren Bedeutung die Kleinen gar nicht kennen, oder das Schlagen der Lieblingserzieherin: Kinder testen die Reaktionen der Erwachsenen. Vielleicht sei das Mädchen kürzlich vom Bruder getreten worden, so Eva Kessler, nun erkunde sie, wie die Erzieherin reagiert. Eine ihrer Anekdoten handelte von einem Vater, der seinen kleinen Sohn als geizig und und pingelig bezeichnete, weil er seiner Schwester keine Süßigkeiten abgegeben wollte. Im Gespräch stellte sich heraus: Es waren Eigenschaften, die dem Mann schon lange an der eigenen Mutter missfielen. Die Folge: „Er weinte und sagte, dass er seinen Jungen doch liebe“, so Eva Kessler.

 Im Saal tauchten Fragen auf. Kostprobe: Was tun, wenn die Kleinen bocken? Grundsätzlich sollte ihnen signalisiert werden, dass sie Kinder sein dürfen, so die Referentin. Dazu gehöre Herumalbern, Fehler machen, sich nicht anziehen wollen oder trödeln. Gleichwohl müssten Eltern auch Grenzen setzen – aber dabei nicht brüllen. Die Erziehungsberaterin riet zu einer „gutmütigen Bärenstimme“. Sie verglich die Kindheit mit einem Glückstopf, der so lange wie möglich mit Leichtigkeit, Humor und Genuss gefüllt sein sollte. „Wenn ich selbst mit meinem Leben zufrieden bin, strahle ich Gelassenheit aus“, sagte Eva Kessler.bud

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