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Eskimosocken gegen die eisige Kälte

So schützt sich der Norden Eskimosocken gegen die eisige Kälte

Zentimeterdick liegt Eis auf der Mauer der Strander Ostmole. Auch Laternenpfähle, Rettungsringe und Fischkisten tragen ein starres Kleid. Gelegentlich spuckt eine hohe Welle eiskalt garstige Tropfen über die Mauer. Wie schützen sich Menschen, die jetzt beruflich draußen unterwegs sind?

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Das äußerste Ende der Ostmole in Strande ist mit einem Eispanzer überzogen – samt Fischkisten und Rettungsring.

Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck

Strande/Altenholz/Gettorf. Obwohl das Thermometer nur minus fünf Grad anzeigt: Hier, direkt am Wasser, wirkt es viel, viel kälter. „Ich brauche noch nicht mal Handschuhe“, sagt Nebenerwerbsfischer Bernd Repenning trocken. Gerade hat er seinen Sohn Randy Repenning an der Ostmole in Empfang genommen. Der junge Berufsfischer war mit seiner „Strande II“ in der Werft in Friedrichsort, zur Propellerkontrolle.

Wegen des stürmischen Wetters war er Neujahr zuletzt zum Fischen draußen. Vielleicht geht es am Donnerstag wieder raus, denn „die Winterzeit ist die Hauptzeit des Fischers“, sagt Vater Repenning. Dann wird Dorsch gefischt, das Brot des Fischers. Bei der Arbeit tragen die Männer Thermostiefel, gutes Unterzeug und Ölzeug. „Und immer im Windschatten arbeiten!“ Weil sie bei der Tätigkeit auf dem Boot viel stehen, haben ihre Stiefel eine besondere, dicke Sohle zur Isolation. „Und Eskimosocken trage ich“, sagt Bernd Repenning und zeigt auf die flauschigen Fußwärmer.

Dass man auf der Strander Mole überhaupt wieder gehen kann und nicht über einen dicken Eispanzer schlittern muss, ist den Arbeitern vom Strander Bauhof zu verdanken. Sie haben dort am Morgen „pures Salz gestreut“, erklärt Bauhofleiter Jens Rönnfeldt. Die Arbeitskleidung wird den Bauhof-Mitarbeitern gestellt – und darunter hilft einfach „gute Funktionsunterwäsche“, findet Rönnfeldt. Durch sein Hobby, das Ballonfahren, ist er ohnehin tiefe Temperaturen von minus 10 bis 15 Grad gewöhnt. „Wir gehen ja auch im Winter in die Luft.“

Etwas weiter von der Küste entfernt, in Altenholz-Klausdorf, ist die Kälte nicht mehr ganz so beißend. Frisch ist es dennoch. Per Wiese vom Bauhof Altenholz-Dänischenhagen sammelt er mit einem Kollegen Überreste von Silvester und anderen Müll ein. „Man muss sich dick anziehen“, sagt der 42-Jährige: „Ich trage von oben bis unten alles doppelt.“ Doch die ständige Arbeit draußen hat auch ihre Vorteile – sie härtet ab: „Ich bin ganz selten erkältet“, sagt der Gettorfer.

Bei klirrender Kälte ist auch der Gettorfer Wochenmarkt kein Arbeitsplatz für Warmduscher. „Aber wir sind auf das Wetter eingestellt“, sagt Obst- und Gemüsehändler Marco Böttiger schmunzelnd. Vor der Abfahrt aus Dätgen heizt der 42-Jährige den Lkw mit einem Gebläse ein, weil Kartoffeln, Salat, Äpfel & Co. keine Minusgrade vertragen und die Tour nach Gettorf immerhin eine halbe Stunde dauert. Auf dem Wochenmarkt wärmen Marco Böttiger und seine Mutter Gretchen die Ware mit einem Heizstrahler, der neben den Bananen steht. „Wenn die zu viel Kälte abbekommen, werden sie schwarz“, verrät der Beschicker, der seinen Stand eigens mit einem Gardinenvorhang schützt. Er selbst trägt gleich drei Jacken: „Bei dem Wetter ist Zwiebel-Look angesagt, im Sommer ist es hier schöner.“ Doch der Aufwand lohnt sich, denn selbst bei der Kälte verschlägt es treue Stammkunden an den Obst- und Gemüsestand.

Autoren: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck und Jan Torben Budde

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