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Erfolge mit Ad-Libitum-Fütterung

Fröhliche Kälber in Westerrönfeld Erfolge mit Ad-Libitum-Fütterung

Junge Kälber müssen nicht hungern. Wo viele Milchbauern auf feste Fütterungszeiten und streng kalkulierte Rationen setzen, feiern einige mit einem anderen Modell Erfolge: tränken ad libitum. Rund um die Uhr stellen sie den jungen Tieren Muttermilch in einem Nuckeleimer bereit, damit diese nach Belieben saufen können. Der Lohn: gesunde Kälber und erhöhte Produktivität.

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Konstanze Rohwer unterstützt ein neugeborenes Kalb bei seinen ersten Zügen aus dem Nuckeleimer.

Quelle: Cornelia Wunder

Westerrönfeld. „Das ist ein guter Kompromiss bei unserer Milchviehhaltung“, findet Hans-Jürgen Kunz von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Kälberaufzucht gehört zu seinen Fachgebieten. Versuche, diese zu verbessern, habe es in Deutschland schon mehrere gegeben. Muttergebundene Aufzucht, bei der die Kälber eine gewisse Zeit am Muttertier saugen können, sei eine davon. Jedoch: „Durch das Säugen entsteht eine Bindung“, erklärt der Fachmann. Die Tiere nach drei Wochen zum Abtränken zu trennen sei dann sehr schwer.

 Wenige Stunden nach der Geburt eines Jungtieres, wird dieses also in eine eigene Box gebracht. Dort gibt es anstatt der üblichen Ration von täglich zwei mal zwei Litern den ganzen Tag über Milch satt. Bisher habe man angenommen, Durchfall sei die Folge unbegrenzter Fütterung. Die Milch laufe dann vom Labmagen über in den Pansen, da die hungrigen Kälber zu viel auf einmal trinken würden, habe es geheißen. Doch: „Die Kälber verhalten sich auf einmal anders“, berichtet Kunz. Denn: „Sie kennen keinen Hunger.“

 Konstanze Rohwer aus Westerrönfeld kann das bestätigen. 180 Milchkühe gehören zu dem Betrieb, den sie mit ihrem Mann führt. Seit dreieinhalb Jahren saufen die Kälber in ihren ersten drei Lebenswochen so viel, bis sie satt sind. Manches Tier trinkt sogar acht Liter in einem Zug – ohne Durchfall zu bekommen.

 „Die springen herum und freuen sich ihres Lebens.“ Fitter seien sie und vitaler, erzählt die Landwirtin, während sie die Nuckeleimer füllt, mit frischer Biestmilch, die ein Muttertier in den ersten fünf Tagen nach dem Kalben gibt. Sie enthält besonders hohe Anteile an Nährstoffen und schützt die Immunabwehr der kleinen Kälber. Die jüngsten Tiere bekommen daher die jüngste Milch. Damit die Milch den ganzen Tag im Eimer bleiben kann, wird ein Säurekomplex beigemischt. So ist sie länger haltbar.

 Mehr Arbeit mache die Kälberaufzucht auf diese Weise schon, sagt Konstanze Rohwer. Sie sei auch kostenintensiver. Aber es lohne sich für den Milchviehbetrieb. „ Die Kälber geben später als Kühe mehr Milch.“ Und: „Sie wachsen auch schneller.“ Gut ein Kilo nimmt ein Kalb nun täglich an Gewicht zu.

 Vor der Ad-Libitum-Fütterung habe sich auch immer mal wieder ein Tier festgelegen – eine häufige Folge von Austrocknung, bei der es nicht aus eigener Kraft auf die Beine kommt. „Das macht keinen Spaß“, versichert die Landwirtin. „Es sind zwar Nutztiere, aber man lebt ja mit ihnen.“ Zu sehen, dass es ihnen gut geht, sei einfach eine riesige Freude.

 Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft soll nun bald das neue Konzept in ihre Fütterungsempfehlung aufnehmen, sagt Hans-Jürgen Kunz, der bundesweit und auch im Ausland Vorträge zum Thema hält. Im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp nahe Lütjenburg laufe die Kälberaufzucht bereits das sechste Jahr auf diese Weise. Bundesweit schätzt er die Quote der Betriebe, die umgestellt haben, auf 20 bis 30 Prozent. Schleswig-Holstein sei etwa mit 10 bis 15 Prozent dabei.

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