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Lachtränen in der Kirche

Plattdeutscher Gottesdienst Lachtränen in der Kirche

Gottes Wuurt op Platt vertellt löste beim Taufgottesdienst am Sonntag Gelächtersalven und spontanen Applaus in der Kirche aus. Bei der Gast-Predigt von Eckart Ehlers über den plattdeutschen Dichter Fritz Reuter rollten in Flintbek Lachtränen.

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Pastor Eckart Ehlers band beim Taufgottesdienst op Platt Lorne (5), den Bruder des Täuflings, als Kerzenträger ein.

Quelle: Beate König

Flintbek. Der Pastor aus Schönkirchen hat die Gabe, Predigten im Döntjes-Stil zu halten. Die ernste Botschaft ist leicht verpackt, Ehlers erlaubte den Besuchern: „Schmunzeln Sie ruhig. Platt ist etwas Schönes. Schade, dass es zurückgeht.“

Reuters Biografie verband Ehlers mit der Gegenwart, rückte die Leistung des Autors in die Lebenswelt der jüngeren Zuhörer. „Schreibmaschine und Computer gab es damals nicht, der hat mit dem Goosfedderkiel geschrieben.“ Ehlers beschönigte nicht, es klang auf Platt nur verständnisvoller, wenn er sagte „Reuter war ein Quartalssuper“, dem seine Frau den Rücken fürs Schreiben freihielt. Von Konkurrent Klaus Groth und von Reuters größter Leistung berichtete Ehlers: „Er brachte das Platt in de Kark trüch.“

Ehlers hat die Veränderungen der Gemeinde im Blick. „Jetzt hör’n wir noch’n Schlag von de Orgel“ holte er Tomasz Harkot, den neuen Kantor auf der Empore ins Gedächtnis. Für den Neuen baute er eine Mutmach-Geschichte über Werftarbeiter aus Polen ein. Als sie vor Jahrzehnten auf der kaiserlichen Werft in Kiel arbeiteten, „sprachen sie missingsch, eine Mischung aus Hochdeutsch und Platt.“ Sehr schnell hätten sie sich eingelebt, „man nannte das damals noch nicht Integration“.

Vergnügen löste Ehlers’ Übertragung des hochdeutschen Taufspruchs aus: „Der biestert nich im Düstern rum.“ Norwin, der in der Kirche auf Entdeckungstour gegangen war, hörte sofort auf Ehlers Aufforderung. „Komm mal her, wir haben was zu tun.“ Ein Gruppenfoto mit Täuflingsfamilie und Pastor auf dem Altarstufen mitten im Gottesdienst? Ehlers erfüllt den Wunsch.

Der Pastor im Ruhestand begeisterte auch junge Zuhörer. „Das war authentisch, hat zu seiner Person gepasst,“ sagte Mattis Blöhs (20). „Auf Platt ist es viel lockerer,“ stellte Phil-Julian König (22) fest. „Er redet so, wie ihm der Mund gewachsen ist,“ schätzte der Flintbeker Rolf Schröder (80). Dass mit Humor die Kirchenbänke gefüllt werden können, bewies Besucher Kurt Meyer. Er kam nur wegen Ehlers’ Witz und ging mit Gottes Segen.

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