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„Ich will etwas zurückgeben“

Flüchtlinge in Felde „Ich will etwas zurückgeben“

Gebrauchte Fernseher, Waschmaschinen, Fahrräder: Auf seinem Autoanhänger transportiert Madjid Bigdeli alles, um die frisch angekommenen Flüchtlinge in Jägerlust, der Unterkunft des Amtes Achterwehr in Felde, zu unterstützen. Der gebürtige Perser will mit seinem Einsatz etwas zurückgeben, was er selbst vor 30 Jahren erfahren hat.

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Madjid Bigdeli (56) hilft in der Unterkunft in Jägerslust, wo er kann. Der gebürtige Iraner ist Ansprechpartner und transportiert Fahrräder, Kühlschränke sowie Fernseher.

Quelle: Torsten Müller

Felde. Der 56-jährige Felder ist ein Paradebeispiel für gelungene Integration: Unternehmer, verheiratet, zwei Kinder, freundliches Lächeln. Nach der islamischen Revolution verließ er wie viele andere junge Leute 1980 den Iran: „Ich hatte Abitur gemacht und sollte zum Militär. Mein Vater sagte, geh‘ nach Deutschland, um Disziplin und Ordnung zu lernen – das hat geklappt“, sagt Madjib Bigdeli und lacht wieder.

 An einer deutschen Uni studierte der gebürtige Teheraner fünf Jahre lang Landwirtschaft. Dann warf er das Studium hin. Der tobende Iran-Irak-Krieg vernichtete die Hoffnung, jemals die persischen Ländereien der Familie bewirtschaften zu können. Madjid Bigdeli sattelte um und wurde Zimmermann.

 Sein Einsatz für die Flüchtlinge in Jägerslust begann bereits 2010, als er zwei Afghanen half, sich mit der deutschen Kultur vertraut zu machen und eine Ausbildungsstelle zu finden. 2014 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Freundeskreises Flüchtlingsinitiative Jägerlust. „Mama Merkel hat doch gesagt, wir sollen helfen“, sagt er und freut sich über den Erfolg: Der Verein hat fast 50 ehrenamtliche Helfer, Madjid Bigdeli ist einer von sechs Vorstandsmitgliedern und „Mann für alles“.

 Im November war die Arbeit der Initiative mit dem 3000 Euro dotierten Preis der Akademie für ländliche Räume ausgezeichnet worden. „Unsere Ehrenamtler sind wie die Ameisen“, sagt er stolz. Auch er hat sich in diesem Jahr viel Zeit für die Flüchtlingsarbeit genommen. Er ist überzeugt, dass die Lage im kommenden Jahr ruhiger werden wird. Probleme sieht er derzeit aber in der Kooperation mit der Amtsverwaltung: „Das läuft nicht so, wie wir uns das wünschen.“ Als in der vergangenen Woche mehr als 20 neue Flüchtlinge nach Jägerslust kamen, sei vieles auf die Schultern der Ehrenamtlichen abgewälzt worden.

 Die Hilfe der Initiative begann zunächst mit der Beschaffung von Fernsehern und Fahrrädern. Letztere erleichtern es den Flüchtlingen, am Sprachunterricht in Achterwehr teilnehmen zu können. Zusammen mit Rolf Müller (86) aus Melsdorf belud der Felder pausenlos seinen Anhänger und richtete die Zimmer ein. Da er auch als Fußballtrainer in Felde aktiv ist, arbeitet er daran, in Jägerslust eine Mannschaft aufzustellen. „Wir wollen gegen Rendsburg antreten“, sagt er. Nun rührt er die Spendentrommel, damit Fußballschuhe angeschafft werden können. 20 Eintrittskarten für das große Fußball-Hallenturnier in der Kieler Sparkassenarena hat er schon: „Die bekommen Flüchtlinge, die immer pünktlich zum Sprachunterricht erscheinen.“

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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