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Flüchtlingshelfer sehen Integration in Gefahr

Achterwehr Flüchtlingshelfer sehen Integration in Gefahr

Die Flüchtlingsarbeit im Amt Achterwehr steht auf der Kippe. Grund ist das Vorhaben der Amtsverwaltung, 31 Asylbewerber aus Jägerslust und Strohbrück nach Brux zu verlegen. Die drei Helferinitiativen sehen die Integrationsbemühungen in Gefahr und drohen damit, die Unterstützung einzustellen.

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„Ich gehe in Kiel zum Deutschunterricht“, „Ich habe Freunde in Quarnbek“ – mit Plakaten protestierten am Montag Flüchtlinge und Betreuer in Jägerslust gegen eine Verlegung nach Brux.

Quelle: Torsten Müller

Achterwehr. Wie berichtet, steht das Amt nach der Entscheidung, den Falkenhof in Brux sowie den Felder Seegarten für vier Jahre zu mieten, unter Druck. Es muss für diesen Zeitraum insgesamt etwa 1,3 Millionen Euro zahlen. Aufgrund der rückläufigen Flüchtlingszahlen ist der Falkenhof jedoch seit Februar so gut wie ungenutzt; der Seegarten wird vom Eigentümer erst zur Unterkunft umgebaut. Da sich die Mietkosten nur refinanzieren lassen, wenn die Räume bewohnt sind, will Amtsdirektor Hans-Werner Grewin 22 Flüchtlinge aus Jägerslust und neun aus Strohbrück in das ehemalige Hotel Falkenhof verlegen.

 „Wir sind gegen eine Verlegung in den Außenbereich. Sie würde die Integration massiv beeinträchtigen und die Arbeit der Ehrenamtler stark behindern“, kritisiert Axel Barre, Vorsitzender des Freundeskreises Flüchtlingsinitiative Jägerslust. „Zwei Jahre Arbeit wären umsonst“, sagt Betreuer Madjid Bigdeli. Marianne Dechert weist auf die Traumatisierung vieler Flüchtlinge hin; gewachsene Strukturen sowie Freundschaften würden erneut zerrissen werden. In den Unterkünften breite sich Angst und Unruhe aus.

 Sorgen bereitet den Initiativen auch die mangelnde Infrastruktur in Brux: Der Westenseer Ortsteil ist weder an eine Buslinie angeschlossen, noch gibt es eine Einkaufsmöglichkeit. Die nächste Bushaltestelle befindet sich in Emkendorf, der nächste Laden in Groß Vollstedt. Deshalb fordern die Initiativen das Amt auf, regelmäßige Fahrten zum Deutschunterricht, zum Kindergarten, zur Schule, für die Eigenversorgung und zum Arzt zu organisieren. „Ohne entsprechende Ergebnisse werden wir keine weiteren Unterstützungsmaßnahmen am Standort Brux mehr leisten“, macht Axel Barre klar. Nach Angaben von Flüchtlingsbetreuern sind die Belastungen der Ehrenamtler bereits jetzt sehr hoch.

 Das Verhältnis zwischen Haupt- und Ehrenamt ist seit Monaten angespannt. Bei einem Gespräch in der vergangenen Woche zwischen Initiativen und Amtsverwaltung konnte lediglich eine Einigung über die Verwendung der Integrationspauschale erzielt werden. Nach Angaben von Barre dürfen Mitarbeiter der Verwaltung auf Weisung des Amtsdirektors nicht mehr an Treffen der Initiativen teilnehmen. Vom Amtsdirektor war dazu am Montag wegen Abwesenheit keine Stellungsnahme zu erhalten.

 Nach Ansicht von Klaus-Detlef Neumann aus Westensee sollte das Amt „Schnellschüsse“ vermeiden. Statt Flüchtlinge jetzt umzuverteilen, sei es besser, neue Zuweisungen abzuwarten. Dadurch könne auch Zeit bis zum Wechsel an der Spitze der Amtsverwaltung gewonnen werden: Am 1. Juli übernimmt Joachim Brand die Stelle.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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