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Band der Freundschaft wird zerrissen

Flüchtlingsinitiative Felde Band der Freundschaft wird zerrissen

Acht Koffer, zwei Fahrräder und ein See voller Tränen: Am Dienstag um 3 Uhr verließ die fünfköpfige Familie Ujka das Wohnhaus in der Felder Dorfstraße. Zwei deutsche Freunde begleiten sie zurück nach Albanien. Für die Flüchtlingsinitiative Jägerslust ist dies der erste schmerzhafte Abschied.

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Waren in Felde Freunde geworden: Familie Ujka (sitzend von links Antonio, Bonita, Roberto, Emirjeta und Artan) und die Helfer der Flüchtlingsinitiative Jägerslust. Am Dienstag musste die Familie nach Albanien ausreisen.

Quelle: Torsten Müller

Felde. „Die Familie ist uns über Monate ans Herz gewachsen; sie war in ganz seltener Weise integriert“, sagt Axel Barre, Vorsitzender der Initiative. Zusammen mit Madjib Bigdeli fährt er die Freunde jetzt zur italienischen Hafenstadt Bari. Dort bringt eine Fähre sie über die Adria nach Durrës in Albanien – in ein sicheres Herkunftsland, aber mit unklarer Zukunft. „Wir wollten nicht, dass die Polizei uns abholt und abschiebt. Wir reisen lieber freiwillig aus“, hatte Artan Ujka mit seiner Frau Emirjeta am Montagabend gesagt. Zuvor hatte sich der Vater noch bei der Ausländerbehörde für die gute Behandlung bedankt.

 Am Freitag wäre die Polizei gekommen. Viele Asylsuchende kennen ihren Abschiebungstermin gar nicht. „Nach dem Asyl-Beschleunigungsgesetz muss die Ausländerbehörde diesen nicht mitteilen“, sagt Axel Barre. Betroffene können ihn allerdings erfragen oder über einen Rechtsanwalt Akteneinsicht erlangen.

 Seit dem 19. Juli vergangenen Jahres wohnte die Familie Ujka mit den Kindern Antonio, Bonita und Roberto in dem Dreifamilienhaus in der Dorfstraße. Roberto ging bereits in die Klasse 1b in der Brüder-Grimm-Schule in Kronshagen. „Hier war immer was los. Unsere Kinder spielten gemeinsam“, sagte Nachbar Matthias Bindernagel. Ihm fiel der Abschied schwer. Über Monate habe sich eine emotionale Verbindung aufgebaut. Um den Abschiedsschmerz nicht noch einmal erleben zu müssen, werde vermutlich jeder künftig etwas reservierter werden.

 Auch Petra Paulsen versteht nicht, warum eine „vorbildlich integrierte Familie“ nicht hier bleiben kann. Die Ujkas hätten schnell deutsch gelernt und Freundschaften geschlossen; sie seien ehrgeizig und anpassungsfähig. „Dem Vater war nach einem Praktikum als Schweißer schon eine Anstellung in einem metallverarbeitenden Betrieb in Felde in Aussicht gestellt worden“, sagt Paulsen. Sie fordert: „Die Verfahren dürfen nicht solange dauern: Das ist unmenschlich.“ Sie befürchtet, dass „noch eine ganze Reihe unserer Schützlinge“ abgeschoben werden.

 Nach Einschätzung von Axel Barre kann das verstärkt passieren, wenn die EU-Verordnung Dublin III künftig in Schleswig-Holstein nicht mehr so zurückhaltend umgesetzt werde wie bisher. Dann müssten viele zurück, die zuerst in Italien registriert worden seien. Petra Paulsen hofft, dass doch noch ein Einwanderungsgesetz auf den Weg gebracht wird, damit Familien wie die Ujkas bleiben könnten. „Jetzt gibt der Staat bei den langen Asyl-Verfahren nur Geld aus und schickt die Menschen dann wieder weg.“

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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