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Überall mal schnell ins Internet

Freifunk in Nortorf Überall mal schnell ins Internet

Die Gemeinschaftsschule Nortorf wagt das Freifunk-Experiment. Als eine von nur neun Schulen bundesweit bietet sie freies Internet für ihre Schüler an – vorerst nur von zwölf bis 15 Uhr. Das Konzept hat Schüler Felix Friebel mitentwickelt. Schulleiter Timo Off ist kritisch

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In der Pause der Oma eine Whatsapp schicken: Joana (rechts) nutzt den Freifunk in der Aula, um ihre Flatrate zu schonen, während Joana (2. von links) mit (von links) Nele, Lina, Zoe und Jordan verblüfft sagt: „Es geht tatsächlich.“

Quelle: Beate König

Nortorf. Ein Freifunk-Netz, das als Experiment befristet an der Gemeinschaftsschule Nortorf installiert wurde, führt zu kontroversen Diskussionen. Das Netz ermöglicht unkontrollierbaren Zugang ins Internet. Schulleiter Timo Off warnt vor Gefahren. Schulsozialarbeiter Johann Alf Ziemer hält dagegen: „Jeder Mensch hat das Recht auf kostenlosen Zugang zu Kommunikationsmedien.“

 Bundesweit bieten nur neun Schulen Freifunk an. „Das sind zumeist Berufsschulen mit erwachsenen Schülern. Wir haben hier auch Zehnjährige“, sagt Off. Er holte sich vor dem Start die Erlaubnis vom Schulträger. „Das Netz ist legal“, sei aber komplett anders als kommerzielle Angebote zum kostenfreien Surfen. „Man kommt ohne Passwort und ohne Kennung rein. Es ist unmöglich, zurück zu verfolgen, wer welche Daten abruft“, erklärt Timo Off die Gefahr, die für ihn im Freifunk lauert: Auch Inhalte, die nicht für Kinderaugen bestimmt sind, könnten, von Erwachsenen unbemerkt, aus dem Netz gezogen werden.

 „Freie Kommunikation ist ein Feld, in dem man sich sehr schnell die Finger verbrennen kann“, sagt Schulsozialarbeiter Alf Ziemer. Deshalb sei der Rahmen des Experiments klar begrenzt, betont er.

 Drei Wochen lang ist mittags Freifunkzeit von zwölf bis 15 Uhr. Schüler Felix Friebel installierte das Netz im Rahmen seiner Neuntklässler-Projektarbeit mit zwei Routern. In den von Ziemer überschaubaren Räumen der Offenen Ganztagsschule und in der Aula ist das Surfen im Netz kostenlos möglich.

 Für Felix Friebel überwiegen die Vorzüge des Netzes: Es entstehen keine Kosten, wenn er Anleitungs-Videos zum Üben mit Instrumenten auf der Schulbühne in der Aula sofort abrufen kann. Zweites Beispiel: „Als in Kiel das Netz eines kommerziellen Anbieters über Stunden ausfiel, funktionierte das Netzwerk der Freifunker ohne Einschränkungen weiter. Es war unabhängig.“ Der 16-Jährige, der dank seines digitalen Spezialwissens im Internetzugang der Schule schon eine Sicherheitslücke aufdeckte, weiß jedoch auch, dass nicht nur Gutmenschen Gebrauch vom unkontrollierbaren Netzzugang machen.

 Bei seinen Mitschülern hält sich die Begeisterung bislang in Grenzen: Einem Großteil der Zehntklässler ist das freie Netz egal. Ihr Argument: Ihr Handy hat eine Flatrate. „Das nenne ich digitale Gelassenheit“, sagt Schulleiter Off. Fünftklässler nutzen in den Pausen schon die Chance, Whatsapp-Nachrichten schreiben zu können oder eine Runde zu spielen. Wie groß der Freiraum ist, den sie nutzen, ist ihnen nicht bewusst. „Funktioniert wie zu Hause“, sagt Kristina (10) aus der 5b.

 Schulleiter Off will nach dem offiziellen Sendeschluss für den Freifunk per Umfrage Schülerwünsche zum Internetzugang in der Schule abrufen. Bislang haben die Lehrer Dauer-Zugriff, Schüler nur im Fachunterricht. Ein Internetzugang in der Schule ist für Off möglich, „wenn es klare Regeln zum Gebrauch des Netzes und der Handys gibt“. Kristinas Antwort steht schon jetzt fest: Internet in den großen Pausen auf dem gesamten Schulgelände.

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