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Gemeinde gegen „Abrissverfügung“

Achterwehr Gemeinde gegen „Abrissverfügung“

Neue Hoffnung für die junge Familie im Achterwehrer Neubaugebiet Neukoppel. Die Gemeindevertretung lehnte zwar den Befreiungsantrag für das falsch gebaute Reetdachhaus ab, empfahl dem Kreis aber „keine Abrissverfügung anzuordnen“. Stattdessen solle er „angemessene Maßnahmen ergreifen“.

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Traufhöhe um 30 Zentimeter überschritten: Dem roten Haus auf der Neukoppel drohte der Abriss.

Quelle: Ulf Dahl

Achterwehr. Die Vertretung hatte über den Antrag in nichtöffentlicher Sitzung beraten. Am Donnerstag veröffentlichte Bürgermeisterin Anne Katrin Kittmann (SPD) eine Presseerklärung. Der Fall hatte große Wellen geschlagen. Sie betonte, dass die Gemeinde in dieser Angelegenheit keinen Fehler gemacht habe. Die Vertretung habe die Befreiung versagt, weil sie die Grundzüge des Bebauungsplanes berührt gesehen und durch eine Zustimmung eine „negative Vorbildwirkung“ befürchtet habe. Die Gemeinde müsse das Wohl aller Achterwehrer beachten. Dennoch sei die für die betroffene Familie sehr belastende Situation, die möglichst schnell beendet werden müsse, durch die Empfehlung an den Kreis berücksichtigt worden. „Keiner wollte und will den Abriss des Hauses“, betonte die Bürgermeisterin. Auf Nachfrage dieser Zeitung in Rendsburg sicherte Behördensprecher Martin Schmedtje eine Prüfung zu. Geltendes Recht dürfe jedoch nicht ausgehebelt werden. Zu den Maßnahmen des Kreises könnte auch eine Duldung gehören.

 Wie berichtet, war das Gebäude abweichend von den Vorgaben des Bebauungsplanes errichtet worden. Die Traufhöhe übersteigt die Festsetzungen um 30 Zentimeter; die maximale Gesamthöhe hält das Haus aber ein. Ende März hatte der Kreis den Rückbau verfügt – wenige Tage vor dem Einzug der jungen Familie. Einen Baustopp verhängte die Behörde nicht. Da der Abriss des Daches oder eventuell konstruktionsbedingt sogar des gesamten Gebäudes erhebliche Belastungen ausgelöst hätte, die aus Sicht der Familie „unverhältnismäßig“ wären, stellte sie den Befreiungsantrag. Der Kreis machte eine Zustimmung vom Einvernehmen der Gemeinde abhängig. 19 Bewohner der weit bebauten Neukoppel hatten der Familie mit ihrer Unterschrift versichert, dass sie auf Einwendungen sowie die Geltendmachung von Ansprüchen gegenüber der Gemeinde verzichten würden.

 Auch unter den Lesern dieser Zeitung ist der Fall heftig diskutiert worden. Dabei gab es zwei Lager: Die eine Seite betonte, dass Verstöße gegen den B-Plan nicht hinnehmbar seien und diese möglicherweise sogar bewusst in Kauf genommen würden, um Vorteile zu erlangen; die andere Seite vertrat die Auffassung, die Familie aufgrund dieses Verstoßes nicht durch eine „kaltherzige Entscheidung“ in ein ungewisses Schicksal zu stürzen, sondern ihr ein Zuhause zu ermöglichen. Bürgermeisterin Kittmann kritisierte in diesem Zusammenhang den öffentlichen Druck, der insbesondere durch die sozialen Medien auf einzelne Gemeindevertreter ausgeübt worden sei.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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