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Genügend Augenärzte?

KV kritisiert Gesundheitsministerin Genügend Augenärzte?

Die Töne werden schriller: Im Streit um die Kassenzulassung für eine Altenholzer Augenarztpraxis hat sich am Donnerstag die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zu Wort gemeldet und Gesundheitsministerin Gitta Trauernicht (SPD) scharf kritisiert. Diese agiere „populistisch“, und „unaufrichtig“.

Altenholz. Die Debatte hat längst die große Politik erreicht und war, wie berichtet, vom Seniorenbeirat der Gemeinde Altenholz ins Rollen gebracht worden: Dieser hatte sich bislang vergeblich dafür eingesetzt, dass die ortsansässige Augenärztin auch Kassenpatienten behandeln darf. Stattdessen hatte die KV sie auf Mediziner in einem Umkreis von 30 Fahrminuten verwiesen.

Unzumutbar? „Das ist eine Frage der Bezahlbarkeit“, sagteam Donnerstagdie KV-Pressesprecherin Esther Seemann den KN. „Geld ist endlich, daran werden wir bei anderer Gelegenheit gern erinnert.“ Aktuell stellten die Kassen für die ambulante medizinische Versorgung und damit Ärztehonorare in Schleswig-Holstein rund 900 Millionen Euro zur Verfügung. Das sei weniger, als die Ärzte an Medikamenten verschreiben.

Die KV-Sprecherin verwies auf verbindliche Zulassungskriterien: Ein Hausarzt müsse 1659 potenzielle Patienten versorgen, ein Augenarzt bereits 22154 und ein Anästhesist 63500 Patienten. Das Gebiet Rendsburg-Eckernförde/Neumünster sei folglich mit 16 Augenärzten hundertprozentig versorgt. Tatsächlich seien hier aber bereits 20 ansässig, und das ergebe eine Versorgung von rund 127 Prozent. „Wir wissen, dass diese Zahlen nicht abbilden, wo der Bedarf tatsächlich vorhanden ist“, räumte Esther Seemann ein. „Die heutige Bedarfsplanung liefert ein Zerrbild.“

Die kommissarische KV-Vorstandsvorsitzende, Dr. Ingeborg Kreuz, hält eine Sonderbedarfszulassung für die Altenholzer Praxis vor dem Hintergrund einer gerechten Regelung für unbegründbar. „Zudem würden hierfür weder von den Krankenkassen noch von der Politik zusätzliche Gelder bereitgestellt.“ Jede zusätzliche Zulassung gehe zu Lasten der bereits niedergelassenen Ärzte.

Dass Gesundheitsministerin Trauernicht die KV in dieser Woche aufforderte, die 30-Minuten-Regelung weniger stur anzuwenden, sei ärgerlich, hieß es von der KV. „Tatsächlich versucht doch die Ministerin, Ärzte aus der Fläche zugunsten einer Versorgung nur noch in Zentren herauszuziehen.“ In Fachkreisen spreche man von holländischen Verhältnissen.

Unterdessen hat die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Ursula Sassen, alle zum konstruktiven Gespräch aufgerufen. Sicher sei eine kleinteilige Bedarfsplanung wünschenswert, unter anderem auch in ihrem Heimatkreis Nordfriesland. „Aber ganz so einfach ist es nicht. Man darf Senioren nicht Hoffnungen machen, ohne ein neues Konzept auf den Tisch zu legen.“

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