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Die Gesellschaft beschwört Götz hinauf

Goethe am Landestheater Die Gesellschaft beschwört Götz hinauf

Das Landestheater Schleswig-Holstein in Rendsburg stellt die neue Inszenierung „Götz von Berlichingen“ von Goethe vor. Dies ist ein Stück, mit dem es sich Regisseur Thomas Oliver Niehaus nicht leicht gemacht hat. Er hat „das Monstrum“ auf zwei Stunden zusammen gestampft. Premiere ist am Sonnabend

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Machten neugierig auf die Inszenierung des „Götz von Berlichingen“ (von links): Schaupieler Uwe Kramer (Götz von Berlichingen), Regisseur Thomas Oliver Niehaus, Schauspielerin Manja Haueis (Adelheid von Walldorf und Marie), Kostüm- und Bühnenbildnerin Lucia Becker sowie Dramaturg André Becker.

Quelle: Sven Janssen

Rendsburg. Wenn einer dem Kaiser Respekt zollt, der Hauptmann ihn aber „im Arsch lecken“ könnte, dann lässt Goethe seinen „Götz von Berlichingen“ sprechen. Auf das bekannte Zitat verzichtet auch Thomas Oliver Niehaus nicht in seiner Inszenierung am Schleswig-Holsteinischen Landestheater in Rendsburg, das am 5. März Premiere hat. Bei der Einstimmung am Sonntag verriet er, wie er Goethes „Monstrum“ von ursprünglich fünf auf unter zwei Stunden reduziert hat.

 59 Szenen an 59 Orten, Goethes Klassiker, dessen Urfassung auf das Jahr 1771 zurückgeht, sei ein Angriff gegen jede Theaterform gewesen, so Niehaus. Der Autor selbst habe sich mit seinem Stück schwergetan, es immer wieder bereinigt und begradigt und 1804 in Weimar am Ende selbst inszeniert. Die Uraufführung gab es schon 1774 im Berliner Comödienhaus.

 „Ich finde den nicht begradigten Urgötz am modernsten“, sagte Niehaus. Der sei auch Grundlage seiner Inszenierung. Wirklich weggelassen habe er nur, was man dem doch klügeren Menschen von heute nicht mehr erklären müsse. Auch auf die vielen Auf- und Abgänge der Schauspieler verzichtet Niehaus, inszeniert das Stück in einer sich nur leicht wandelnden Kulisse ohne Pause. „Die Gesellschaft sitzt am Tisch und beschwört den Götz herauf“, sagte er und beschrieb ein minimalistisches Bühnenbild in Schwarz-Rot-Gold, mit einem langen Tisch im Vordergrund, einer rot beläuferten Treppe, die zu einer Tür in einer schwarzen, von einem goldenen Rahmen umgebenen Wand führt.

 „Ich stehe auf keiner Seite“, sagte Niehaus. In einem Moment wolle er Götz zustimmen im nächsten widersprechen. Das Stück habe nichts an Aktualität verloren. Antworten gebe es nicht, das Stück sei mehr ein Gedankenkatapult, ein Anstoß für Denkprozesse.

 Am Ende tritt Götz ab, von der Bühne und aus dem Leben. Niehaus lässt offen, ob er brandschatzender Raubritter, Held im deutschen Getümmel, Widerstandskämpfer gegen eine verlogene Gesellschaft, Verlierer einer Zeitenwende oder vielleicht alles zugleich war.

 „Es ist interessant sich auf Götz einzugrooven“, sagte der Regisseur. Sechs Tage wird noch am Stück gearbeitet, das für ihn wie eine Symphonie sei, zu der Goethe die Partitur lieferte. „Man muss als Zuschauer wahnsinnig wach bleiben“, erklärte Niehaus, der Götz durch die Zeiten wandeln und am Ende als modernen Menschen und Figur des 20. Jahrhunderts sterben lässt.

 Götz von Berlichingen: Premiere ist am Sonnabend, 5. März, um 19.30 Uhr im Landestheater.

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