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In Flip-Flops beim Picknick Klassik genießen

Emkendorf In Flip-Flops beim Picknick Klassik genießen

Die Ordnungshüter schritten am Wochenende beim Musikfest auf Gut Emkendorf nicht ein, obwohl es einen klaren Fall von Entführung gab. Das Opfer war ein Kieler Pastor. Am Sonntagmorgen wollte Burkhardt Stevens im Ortsteil Projensdorf den Gottesdienst feiern. Doch dazu kam es nicht: „Mitkommen, die Predigt hält heute ein anderer“, rief ihm das vielköpfige Überfallkommando zu.

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Nicht alltägliche Kulisse: Virtuose Musik und genussvolles Picknick gehören auf Emkendorf traditionell zusammen.

Quelle: Torsten Müller

Emkendorf.  Das Kommando entpuppte sich als Kirchengemeinderat der Emmaus-Gemeinde, und die Entführung war kein organisiertes Verbrechen, sondern eine ungewöhnliche Einladung zum Picknick vor illustrer Kulisse – als Dank für 14 Jahre Seelsorge. In drei Wochen verabschiedet sich der verdutzte Pastor in den Ruhestand.

 Es ist eben das Besondere, das die Besucher jedes Jahr so zahlreich im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals nach Emkendorf zieht. Jeder kann hier eine Geschichte erzählen – auch wenn sie manchmal nur kurz ist. „Ich bin noch völlig beeindruckt – das war wirklich virtuos“, sagte Karl-August Möller aus Kronshagen, als er mit seiner Familie die Konzertscheune verließ. Andrei Ionita (Violoncello) und Naoko Sonoda (Klavier) hatten Werke von Tschaikowsky und Rachmaninoff aufgeführt.

 Nicht jeder kommt für den unmittelbaren Kunstgenuss, manchem reicht auch, was er auf der Wiese beim Picknick vor dem klassizistischen Herrenhaus über Lautsprecher hört oder dass er überhaupt in dieser Umgebung dabei ist. Draußen können auch die kleinen Kinder mit von der Partie sein, Essen und Wein ausgepackt werden. Wie am Strand werden Flip-Flops getragen, Decken auf dem Rasen ausgebreitet oder Tisch und Stühle aufgestellt. „Wir zelebrieren das jedes Jahr, weil es so schön ist – Emkendorf ist das Weimar des Nordens“, sagte Wilfried Fränkel aus Büdelsdorf, der mit Frau Karin sowie Volker und Irmintraud Rahn auf dem Gutsrasen tafelte. Stilecht hatten die Ehepaare Kerzen in Schleswig-Holstein-Farben auf dem Tisch stehen.

 Auch Peter Göttsche und Frau Helga aus Jevenstedt sind seit mehr als 25 Jahren regelmäßig dabei. Sie haben noch Leonard Bernstein auf Emkendorf erlebt. „Früher gingen die Konzerte bis in die Nacht“, erinnern sie sich. Auch Mechthild und Reinhold Petersen gehören zu den Stammgästen seit Anbeginn, als bei den Konzerten noch die Erntetrecker zu hören waren.

 Anna-Catharina Forster aus Kiel verlieh Emkendorf ein Hauch von Ascot. „Ich habe lange in England gewohnt. Ohne Hut ist man nicht angezogen“, sagte die promovierte Ärztin mit dem riesigen, verzierten Chapeau, der auffiel. „Die Deutschen haben keinen Mut zu etwas Ungewöhnlichem“, lachte die 80-Jährige.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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