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Gute Laune beim Erziehen

Eva Kessler verriet Tipps - Orientierung und Geborgenheit sind wichtig Gute Laune beim Erziehen

Erziehung ist eigentlich ein Kinderspiel. Eltern müssen nur begreifen, dass ihre Kinder eigenständige Persönlichkeiten sind und niemals ohne Sinn und Logik handeln - auch dann nicht, wenn sie nerven. Eva Kessler übermittelt ihre Thesen und Tipps so überzeugend und glaubhaft, dass ihr die weit über 100 Besucher am Mittwochabend in der Kita am Sportplatz in Gettorf fast zweieinhalb Stunden lang gebannt an den Lippen hängen.

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Gettorf. Die Referentin weiß, wovon sie spricht. Sie ist Mutter zweier erwachsener Kinder, vierfache Großmutter und genauso unperfekt wie die Menschen, die sich ihren Vortrag anhören. „Fast alles, was ich Ihnen heute erzähle, habe ich aus Fehlern gelernt“, gibt die Kommunikationswissenschaftlerin, Erziehungsberaterin, Supervisorin und Buchautorin aus Flintbek freimütig zu.

Kinder wollen autonom sein und sich von anderen unterscheiden. Erwachsene wollen, dass ihre Kinder angepasst sind. „Aus diesen gegensätzlichen Zielvorstellungen entstehen Konflikte“, bringt es Eva Kessler auf den Punkt. Die quirlige Frau mit dem Lockenkopf beschwört die vor ihr sitzenden Mütter und Väter, Wutausbrüche und Grenzüberschreitungen ihrer Kinder nicht als persönlichen Affront misszuverstehen. Ein Beispiel gefällig? Der Vater kommt geschafft von der Arbeit nach Hause und nimmt sich, wie jeden Abend, eine halbe Stunde Zeit für seinen kleinen Sohn, nennen wir ihn Paul. Der Sechsjährige hat aber offenbar keine Lust, mit dem Vater zu spielen. Ständig ist er am Provozieren und bringt den enttäuschten Vater schließlich zur Weißglut. Warum ist Paul so „gemein“? Eva Kessler weiß die Antwort: „Der Vater, der Ärger im Büro hatte, will Paul den fröhlichen und entspannten Papa vorspielen. Aber Paul erkennt am Gesichtsausdruck, an der Stimmmodulation und Gestik seines Vaters, dass dieser wütend ist. Und deshalb provoziert er den Vater so lange, bis der tatsächlich einen Wutausbruch bekommt.“ So einfach ist das. „Wenn Kinder Eltern wütend machen, wollen sie Orientierung und Geborgenheit“, erklärt die Referentin.

Die 55 Jahre alte Flintbekerin weiß aus eigener Erfahrung, wie kräfteaufreibend es sein kann, Kinder großzuziehen. „Gönnen Sie sich ab und zu eine Auszeit, damit die Batterien wieder aufgeladen werden können“, empfiehlt sie ihren Zuhörern. Auch rät sie zu mehr Gelassenheit: „Ärgern Sie sich nicht, wenn ihr Kind sein Zimmer nicht aufräumen will.“ Spätestens mit neun Jahren sollte ihrer Meinung nach das Kinderzimmer von den Eltern als autonome Zone anerkannt werden.

Wer daraus schließt, Eva Kessler wäre eine Verfechterin der antiautoritären Erziehung, liegt völlig falsch. Den Kindern liebevoll, nicht meckernd und drohend Grenzen aufzuzeigen, sei äußerst wichtig, denn „Kinder wollen und müssen Konsequenzen aus ihren Handlungen erleben“. Mehr

Beziehung als

Erziehung sei das Erfolgrezept. Dazu gehöre auch regelmäßiger körperlicher Kontakt. Dieser komme oft viel zu kurz.

Der Vortragsabend war eine Gemeinschaftsaktion der Kitas Am Sportplatz und Parkallee (beide Gettorf) sowie der Kitas Osdorf, Revensdorf, Felm, Blickstedt und Neuwittenbek. „In dieser Form haben wir das zum ersten Mal gemacht“, sagte Birgit Gang, Leiterin der Kita Am Sportplatz, die sich über ein ausverkauftes Haus freute.

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