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Emotionale Grenzen ausgelotet

Gymkro Tanztheater Emotionale Grenzen ausgelotet

Noch beeindruckt von der Stimmung bei der Premiere ihre Tanzstückes in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme in der vergangenen Woche traten die Kronshagener Gymnasiasten am Sonnabend in Kiel auf. „Stumme Schreie – Gefühle im Holocaust“, so lautet der Titel des mutigen Stücks.

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Mit tänzerischer Ausdruckskraft brachten die Schüler verschiedene Emotionen wie Verzweiflung und Resignation, aber auch Hoffnung auf die Bühne.

Quelle: Veronika Sawicki

Kronshagen. Unter Anleitung von Preslav Mantchev, Choreograf und professioneller Balletttänzer, feilten die 28 Zehntklässler ein ganzes Halbjahr fächerübergreifend mit sieben Lehrern an der Umsetzung des gewagten Vorhabens. Texte, Kostüme und Bühnenbild entstanden, wie berichtet, in Eigenregie. Eine Ausstellung bestehend aus Plakaten zu den unterschiedlichen Blickwinkeln der jeweiligen Fächer begleitet das Stück.

Zum Thema Holocaust zeigten die Schüler im Foyer eine Ausstellung, darunter (v.l.) Annabell Paris (16), Jenny Muhlack (15), Kayleigh Paolella (15) und Hanna Zander (15).

Quelle: Veronika Sawicki

 „Die Premiere war sehr emotional“, berichtete Initiatorin Anne Lipkow, Lehrerin für Musik und Biologie. Über 180 Besucher, darunter fünf Schulklassen, die zuvor eine Führung in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme hatten, kamen in den Genuss der Uraufführung. „Die Atmosphäre war traurig und bedrückend, weil man wusste, dass an dieser Stelle viele Menschen gestorben sind“, sagte Schülerin Jenny Muhlack. „Man trägt eine gewisse Verantwortung“, ergänzte Klassenkameradin Kayleigh Paolella. „Wir nehmen alle etwas mit und werden uns noch lang an dieses Erlebnis erinnern – eher als an irgendwelche Matheformeln“, meint Jenny.

 Zu Beginn des Projekts hatte die Klasse als intensive Vorbereitung einen dreitägigen Aufenthalt in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Mit viel Ernsthaftigkeit und sehr erwachsen gehen die Schüler mit dem Thema Holocaust um, lobte Klassenlehrer Thorsten Hilbner. Das stärkt den Zusammenhalt.

 Auch der aus Bulgarien stammende Choreograf Preslav Mantchev war ganz angetan und resümierte: „Eine Mitarbeit mit offenem Herz – manchmal nicht ganz einfach, aber sehr gelungen.“ Seine persönliche Herausforderung war es, mit Nichtprofessionellen zusammenzuarbeiten. Ein starkes Vertrauen als Basis war vonnöten, denn es gab auch Momente, in denen es einigen Schülern emotional zu viel wurde.

 In Kiel waren über 100 Besucher im Saal der Apostelgemeinde zu Gast. Als die Darsteller loslegten, folgte ein Wechselbad der Gefühle, zum Ausdruck gebracht durch eine Tanzchoreografie und begleitend gelesene Texte, untermalt von musikalischen Stücken jüdischer Komponisten. Besonders die letzte Szene, lauter vor Entsetzen aufgerissene Münder – eine Anspielung auf den Titel des Stücks – brannte sich in den Köpfen ein. Es dauerte eine ganze Weile, bis das Publikum aus seiner Schockstarre erwachte und die Darbietung mit einem Applaus belohnte.

 Stumme Schreie, weitere Aufführungen: Montag/Dienstag, 15./16. Februar, 19 Uhr in der Aula des Gymnasiums Kronshagen, Ausstellung eine Stunde vorher.

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Ein Artikel von
Veronika Sawicki

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