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Für einen Funken Hoffnung

Altenholz Für einen Funken Hoffnung

Schüler vom Gymnasium Altenholz machen Flüchtlingselend greifbar. Mit ihrem Theaterstück überführen sie ein Hörspiel von 1953 in die brutale Wirklichkeit von heute. Nie war „Das Schiff Esperanz“ aktueller als auf ihrer Schulbühne. Am Mittwoch, 29. April, ist die öffentliche Aufführung.

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Probe im Gymnasium Altenholz: Das Stück nach dem Hörspiel Das Schiff Esperanza rüttelt mit seiner Aktualität auf.

Quelle: Cornelia D. Mueller

Altenholz. Als Autor Fred von Hoerschelmann 1953 sein Hörspiel schrieb, waren die Schatten der Nazizeit noch gegenwärtig. Das Drama illegaler Auswanderer im finsteren Laderaum eines Schlepperschiffs, die auf eine Zukunft hoffen und stattdessen im Dunkeln auf einer Sandbank in den Tod geschickt werden, rüttelte auf und war voller Symbolik. Von Hoerschelmann klagte die Verrohung als Folge von Schreckensherrschaft und Krieg an – repräsentiert durch den skrupellose Kapitän, der Flüchtlinge abzockt und sie als „menschlichen Unrat“ ins Meer schickt. „Nichts davon hat an Aktualität verloren“, sagen Sarmand Hussein und Julia Meirowski. Die Schüler des zwölften Jahrgangs sind aus den beiden Kursen Darstellendes Spiel. Seit Herbst 2014 arbeiten sie mit ihren Lehrern Leif Lindbeck und Elke Schweigart an ihrem eigenen Stück auf Grundlage von von Hoerschelmanns Hörspiel. Sie haben es dafür selbst ausgesucht. „Wir haben Verschiedenes angelesen. Dieses Werk hat uns sofort angesprochen“, bestätigen Matilde Kornappel und Lennart Petersen.

Jetzt müssen sie wieder auf die Bühne. Ausprobieren, ob die nächste Szene hinter dem Vorhang gesprochen wird und nur Taschenlampenschein durchdringen soll, oder ob die Todgeweihten zu sehen sein sollen. „Also dann doch hinterm Vorhang“, fassen Schweigart und Lindbeck, die Regie führen, danach zusammen. Nach kurzer Diskussion am Ende der Szene haben sich die Schüler mehrheitlich dafür entschieden.

Gespielt wird in wechselnden Rollen. Schwarze Kleidung macht die Personen ununterscheidbar. Eine Kapitänsjacke, Ölzeug, ein paar Requisiten heben einzelne nur kurz heraus. Das farbige Kleidungsstück wird weitergereicht und zieht sich durch den auszugsweise inszenierten Hörspielklassiker. Dazwischen erschüttern aktuelle Szenen, angelehnt an Flüchtlingsdramen im Mittelmeer, die heute die Schlagzeilen bestimmen. Eingeflochten sind Protokolle von Überlebenden, die auf ihrer Flucht in Containern eingepfercht waren, die ihr letztes Hemd für einen Funken Hoffnung verkauft haben. Man hört hinein in wahre Geschichten von Kindern, die ihre Familie verloren und es zu Fuß nach Westeuropa schafften, in Schach gehalten von bewaffneten Schleppern.

Die Stimmen der 25 Schauspieler spiegeln auch die Hoffnungen, die scheinbar Licht auf den qualvollen Pfad der Migranten bringen. „Ich wünsche mir ein Leben in Sicherheit.“ „Ich werde eine Familie gründen.“ „Ich werde reich sein.“ „Ich will nie wieder hungern.“ Auf der Bühne des Gymnasiums erweisen sie sich als Irrlichter – wie die Taschenlampen im Nebel auf der Sandbank, wo die „Esperanza“ sie scheinbar ans sichere Land bringt.

Mittwoch, 29. April, Forum im Gymnasium Altenholz, 19 Uhr, Eintritt frei

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Cornelia Müller
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