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Lammzeit auf den Goosseewiesen

Eckernförde Lammzeit auf den Goosseewiesen

Die ersten Lämmer der Heidschnuckenherde auf den Eckernförder Goosseewiesen sind da. Ihre Felle schimmern allesamt schwarz. „Aber das ist bei Heidschnucken normal“, sagt Jürgen Schmidt, der gemeinsam mit Karl-Heinz Siebrecht für den Naturschutzbund (Nabu) die Schafe ehrenamtlich betreut. In dem 37 Hektar großen Landschaftsschutzgebiet werden sie als „lebendige Rasenmäher“ eingesetzt, um eine offene Knicklandschaft mit ihrer spezifischen Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten.

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Jürgen Schmidt schaut nach einem von sieben Lämmern, die bereits in der Heidschnuckenherde geboren wurden. Weitere werden erwartet.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Sieben Lämmer springen derzeit auf den Goosseewiesen umher. „Das Jüngste ist Dienstag gegen 18 Uhr auf die Welt gekommen“, sagt Schmidt. Und täglich werden es mehr. Knapp 40 tragende Muttertiere beweiden die Wiesen. Eines von ihnen hat sogar Zwillinge bekommen. „Das ist bei den grau gehörnten Heidschnucken schon eine Seltenheit“, weiß Schmidt. Drei Mal pro Tag sehen er und Siebrecht nach den Schafen, um zu kontrollieren, ob mit den Geburten auch alles geklappt hat. Doch beim Ablammen sind die Heidschnucken pflegeleicht. „Nur in wenigen Fällen müssen wir helfen“, sagt der Nabu-Betreuer. Beispielsweise wenn ein Muttertier auf den Rücken gerollt ist und von allein nicht mehr auf die Beine kommt. „Da sind wir auch für jeden Hinweis dankbar.“

Die Heidschnuckenherde gehört zur Schäferei Mückenheim in Rieseby, wird auf den Gooseewiesen aber vom Nabu betreut. Dort setzen die Naturschützen die Schafe für die Landschaftspflege ein. Sie halten den Bewuchs kurz, wo gerade keine zu schützenden Pflanzen blühen. So dehnt sich das Schilf nicht zu sehr aus, bleibt die offene Knicklandschaft erhalten und können sich seltene Arten wie die Orchideen entwickeln. „Vergangenes Jahr haben wir 1600 blühende Exemplare des Knabenkrauts gezählt“, berichtet Schmidt stolz. Erst wenn die Orchideen verblüht sind, kommen hier wieder die Schafe zum Einsatz.

Doch derzeit sind die Heidschnucken anderweitig beschäftigt. Schmidt weist auf ein Mutterschaf hin, das sich mit seinen Hörnern über den Bauch streift. „So richtet es die Lage des Nachwuchses im Körper“, erläutert er. Der Vater aller Lämmer, Bock Peter IX., ist wieder in Rieseby untergestellt. Er hat auf den Goosseewiesen keine Aufgabe mehr. Ohnehin wird der Bock alle zwei bis drei Jahre aus züchterischen Gründen ausgetauscht, damit sich die Herde genetisch erneuern kann. Die Robustschafe überwintern mit ihrem dicken Pelz draußen, im Sommer werden sie geschoren. In der ersten bis zweiten Woche nach Pfingsten surrt die Schere. Um die Wolle zu verarbeiten, gibt es laut Schmidt allerdings keine Kämmerei mehr in Schleswig-Holstein. Höchstens kommt sie noch als ökologisches Dämmmaterial zum Einsatz.

Auf den Goosseewiesen erwacht jetzt die Natur. Die Schlehen beginnen zu blühen, seit fünf Tagen sind die ersten Schwalben da, die zwitschernd durch die Luft segeln. Und zwischen den Heidschnucken mit ihren schwarzen Lämmern stolziert eine zitronengelbe Schafstelze. „Die ist bei uns sehr selten“, sagt Schmidt. Der Vogel profitiert von den wolligen Vierbeinern, die die Insekten aufstöbern. Fast täglich kann der Naturschützer auch den Seeadler beobachten. Auf einer Insel in den Wiesen-Tümpeln hat unterdessen eine Kanadagans ihr Brutgeschäft begonnen. Aufgrund ihrer geringen Fluchtdistanz verdrängt sie die heimische Graugans. „Aber wir dulden sie“, sagt Schmidt. Am Rand des Gewässers fischt er mit der Hand Kaulquappen heraus. „Der Moorfrosch hat hier gelaicht.“

Die Goosseewiesen hätten nach Einschätzung von Schmidt das Potenzial für ein Naturschutzgebiet. Ein entsprechender Antrag des Nabu schlummert allerdings noch beim Umweltministerium.

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Ein Artikel von
Christoph Rohde
Eckernförder Nachrichten

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