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Schilderweg führt bis zur Eiszeit

Eckernförde Schilderweg führt bis zur Eiszeit

Die Heimatgemeinschaft Eckernförde möchte ein Fenster aufstoßen. Ein Fenster in die Vergangenheit, in die spannende Siedlungsgeschichte der näheren Region. Die Arbeitsgemeinschaft Vor- und Frühgeschichte präsentierte im Ratssaal ihr aufwändiges Projekt "Landschaft und Kultur Windebyer Noor". Ende April trägt es erste Früchte mit dem Aufstellen von Info-Tafeln am Noorwanderweg.

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Seitens der Heimatgemeinschaft Eckernförde treiben (v.l.) Norbert Biermann, Klaus Vaupel, Jutta Fenske und Joachim Sebastian das Noor-Projekt ehrenamtlich voran.

Quelle: Christoph Rohde

Eckernförde. Oft steht das Noor im Schatten der Stadt Eckernförde und dem Strand des Ostseebades. „Doch es ist ein Edelstein – das wollen wir zeigen“, sagt Joachim Sebastian, seit 22 Jahren Leiter der AG Vor- und Frühgeschichte der Heimatgemeinschaft. Die Landschaft rund um das Windebyer Noor hat mehr zu bieten, als manch einer denkt. Der Blick geht zurück in eine 7500 Jahre alte Geschichte. Genauso alt ist die Ritzzeichnung eines Menschen auf einer Geweih-Axt, die bei Baggerarbeiten in der Bucht aus vier bis fünf Metern Tiefe auftauchte. Zeugnis einer alten Jäger- und Sammlerkultur und: „der erste Eckernförder“, so Jutta Fenske.

 Die studierte Vor- und Frühgeschichtlerin treibt gemeinsam mit Sebastian, Klaus Vaupel und Norbert Biermann das ehrgeizige Noor-Projekt voran. Mit im Boot sind kompetente Partner wie die Christian Albrechts Universität, das Archäologische Landesmuseum und Landesamt, das Landesamt für Vermessung, die Stadt und viele Grundbesitzer, die Zugang zu ihren Flächen ermöglichten. Bereits seit 2012 ist eine Unmenge von Daten über die landschaftliche Entwicklung der Noor-Region und die Siedlungsgeschichte zusammengetragen worden. Sie galt es zu ordnen, zu bewerten und aufzubereiten.

 Ein erster Schritt sind die Info-Tafeln, die in Kürze am Noorwanderweg aufgestellt werden. An insgesamt 16 Stellen sollen sie in Bild und Text vermitteln, welche Besonderheiten die Landschaft zu bieten hat. Laut Fenske finden sich allein elf Großsteingräber in der Noor-Region. Hinzu kommen 40 Hügelgräber rund um Eckernförde. Darüber hinaus liegen hier Fundstellen international bekannter Moorleichen, lassen sich Reste des historischen Osterwalls entdecken, gibt es Fundamente von Turmhügelburgen sowie alte Feldsteinkirchen, Bauern- und Gutshöfe.

 „Wir müssen wieder lernen hinzuschauen“, sagt Biermann. Es müsse eine Erinnerungskultur für den reichen Schatz an geschichtlichen Zeugnissen geschaffen werden. Denn vieles ist schon verschwunden. Von den Langbetten und Grabhügeln beispielsweise blieb im Verlauf der vergangenen 150 Jahre nur ein Zehntel übrig. Der Ansatz der AG Vor- und Frühgeschichte ist dabei ein umfassender: Die Klima-Geschichte der von der Eiszeit geprägten Region soll ebenso dargestellt werden wie die Entwicklung der ersten Siedlungen und der Wandel der Kulturlandschaft.

 Bei Info-Tafeln wird es nicht bleiben. Ab Sommer sollen insgesamt acht Touren angeboten werden, die Denkmäler und erhaltenen Relikte von Kultur und Landschaft ansteuern. Es wird Tourenflyer und eine Broschüre geben sowie sachkundige Führungen. Die Krönung aber ist eine geplante 3D-Simulation, die einen virtuellen Einblick mit Animationen ermöglichen soll. „Dafür entwerfen wir eine Art Drehbuch“, erläuterte Vaupel. So lassen sich etwa Meeresspiegelschwankungen oder Siedlungsentwicklungen veranschaulichen. Per Internetauftritt und mobilen Infos über Apps für Smartphone oder Tablet soll dies aufrufbar sein. „Für die Finanzierung suchen wir noch Sponsoren“, sagte Vaupel. Beabsichtigte Fertigstellung ist Herbst 2017.

 Bürgermeister Jörg Sibbel bezeichnete das Projekt "Landschaft und Kultur Windebyer Noor" als bedeutend für die ganze Region. Es ermögliche, Wissensspeicher zur Vergangenheit Eckernfördes zu öffnen. Die Vorsitzende der Heimatgemeinschaft, Telse Stoy, betonte das Anliegen des Vereins, Ergebnisse der Heimatforschung und der geologischen Forschung sowohl Einheimischen als auch den Touristen zugänglich zu machen.

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Christoph Rohde
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