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Höllenau wird an Waldrand verlegt

Schülp/Nortorf Höllenau wird an Waldrand verlegt

Die Höllenau soll auf 1,1 Kilometer Länge ein neues Bett erhalten. 260000 Euro kostet die Renaturierung des schnurgeraden Bachs am großen Moor in Schülp, geplanter Baubeginn ist der Herbst 2017. Die EU übernimmt 50 Prozent der Kosten, Bund und Land jeweils 25 Prozent.

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Auf 1,1 Kilometern Länge bekommt die Höllenau ein neues Bett, zeigt Detlef Göttsche, Projektleiter vom Wasser- und Bodenverband, auf der Planzeichnung.

Quelle: Beate König

Schülp/Nortorf. In den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts war die Höllenau begradigt und aus dem Wald auf die Ackerfläche umgelenkt worden. Die Vorzüge aus damaliger Sicht: Die Äcker konnten in den Graben entwässern, die schnurgeraden Böschungslinien erleichterten die Arbeit mit landwirtschaftlichen Maschinen, die Erträge erhöhten sich.

 Die heutige Sichtweise ist entgegengesetzt: „Wir haben der Natur etwas weggenommen, das wir zurückgeben wollen“, sagt Projektleiter Detlef Göttsche vom Wasser- und Bodenverband (WBV) Obere Höllenau. Ziel jetzt: Die Artenvielfalt, auch Biodiversität genannt, erhöhen.

 Motor der Renaturierung, die von der Wasserrahmenrichtlinie der EU im Jahr 2000 vorgegeben wurde, ist Hans-Jürgen Göttsche aus Krogaspe. Der ehrenamtliche Verbandsvorsteher „bohrt seit 2014 sehr dicke Bretter. Ohne ihn wären wir nicht so weit“, hebt Detlef Göttsche die enorme Leistung seines Namensvetters hervor.

 Hans-Jürgen Göttsche überzeugte vier Landwirte, dem Verband jeweils einen 25 Meter breiten Streifen am Rand des Waldstücks Hölle zu verkaufen. Im Gegenzug erhalten sie die Fläche der zugeschütteten alten Au.

 Die neue Au soll am Waldrand Platz zum Mäandern bekommen. Zu Beginn war geplant worden, die Au zurück in ihr ursprüngliches Bett im Wald zu legen. „Der Verlauf war in alten Karten des Katasteramtes verzeichnet“, sagt Göttsche. Die Lage am Waldrand sei jedoch günstiger. Die Freifläche neben dem Gewässer ist fünf Meter breit geplant, damit weder auf den Feldern ausgebrachte Gülle noch Dünger und Pflanzenschutzmittel direkt ins Wasser gelangen können. Der WBV hat einen guten Zuweg. Die Waldbäume beschatten das Wasser und verringern die Verkrautung.

 Die neue Au soll binnen eines Monats Bauzeit Buchten und Niveauunterschiede bekommen. Eingeschüttete Kieselsteine sollen das Fließtempo regulieren, damit Laich- und Versteckplätze für Fische und Amphibien entstehen können. Totholz soll Raum für Mikroorganismen bieten. Fische oder Pflanzen sollen nicht eingebracht werden, es wird mit dem vorhandenen Boden gearbeitet. „Die Natur soll sich eigenständig entwickeln.“

 Anders als bei den steilen, trapezförmigen Böschungen der jetzigen Au soll der neue Uferbereich sanft auslaufen. So könne das Gewässer weiter bei Starkregen anströmende Fluten aufnehmen, sagt Detlef Göttsche. Der Puffer müsse groß geplant werden: In die insgesamt 14,5 Kilometer lange Au wird auch ein Teil des Oberflächenwassers von den Autobahnen A7 und A215 eingeleitet. „Die Menge wird sich erhöhen, wenn die A7 sechsspurig ausgebaut ist.“

 Damit die Au in Fluss kommt, wird das Bett tiefer ausgekoffert. Für die Gemeinde Schülp heißt das, den 50 Jahre alten Au-Durchlass am Looper Weg zu vertiefen. Von den geschätzt 25000 Euro Kosten zahlt die Gemeinde „maximal 10000 Euro, dafür haben wir einen neuen Durchlass“, sagt Bürgermeister Volker Ratjen. Wermutstropfen: Die Gemeinde muss dafür die 2015 erneuerte Asphaltdecke im Looper Weg aufschneiden.

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