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„Eisbrecher“ auf vier Pfoten

Gettorf „Eisbrecher“ auf vier Pfoten

Windhund Thayra genießt die Streicheleinheiten von Ilona Schmidt. Die 62-Jährige lebt in der Gettorfer Seniorenwohnanlage am Park, wo ein besonderer Lehrgang läuft. Der Hospizverein Dänischer Wohld lässt dort momentan Besuchshunde für schwerkranke und sterbende Menschen ausbilden.

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Verstehen sich auf Anhieb: Ilona Schmidt freut sich über die Stippvisite von Besuchshündin Thayra in der Seniorenwohnanlage.

Quelle: bud

Gettorf. „Ich habe extra Leckerli besorgen lassen und ein Schälchen Wasser für die Hunde hingestellt“, erzählt Ilona Schmidt. Als Hundehalterin Iris Petrikat mit Thayra das Zimmer betritt, ist die Freude der früheren Osdorferin riesig. Der Windhund darf sich auf ihr Bett legen, nachdem Frauchen ein Handtuch hingelegt hat. Dann gibt’s Streicheleinheiten und Leckerli – Thayra fühlt sich pudelwohl, Ilona Schmidt wirkt glücklich. „Wir hatten früher Hunde“, erzählt sie.

 Iris Petrikat aus Revensdorf beteiligt sich mit Thayra an besagtem „Sanfte Pfoten“-Lehrgang des Hospizvereins, wofür sechs Wochenenden angesetzt sind. Laut Vorsitzender Friederike Boissevain sind elf Teams (Halter und Hund) dabei. „Wir hatten über 80 Bewerbungen“, berichtet die Ärztin. Die Ausbildung der Besuchshunde, die in Privathaushalten, Alten- und Pflegeheimen sowie Einrichtungen für Betreutes Wohnen im Dänischen Wohld zum Einsatz kommen sollen, übernimmt ein Profi: Kati Zimmermann aus Hummelfeld ist selbstständige Hundetrainerin, betreibt die Akademie für Assistenzhunde. „Nicht jeder Hund kommt dafür infrage“, erklärt die gelernte Altenpflegerin. Daher nahm die 44-Jährige die Bewerber in einem Eignungstest unter die Lupe. „Ein Hund benötigt einen Grundgehorsam“, erklärt sie. In engen Räumen und stressigen Situationen müssten die Vierbeiner ruhig bleiben, selbst wenn ihnen ein Fremder ins Fell greife, einen Ball werfe oder irgendwo eine Schüssel scheppere. „Das kann nicht jeder Hunde lernen“, so Kati Zimmermann, „er darf nicht zu sensibel sein.“

 Gleiches gelte für die Halter. Sie bekommen daher während der Ausbildung wertvolle Tipps für den Umgang mit schwerkranken oder sterbenden Menschen. Friederike Boissevain zufolge geht es um Trauer, Abschied, Familienstrukturen, Erkrankungen und Selbstschutz. Die ehrenamtliche Aufgabe erfordere Fingerspitzengefühl, gleichwohl sollten die Hundehalter die erlebten Probleme nicht mit nach Hause tragen.

 „Mein Hund liebt andere Hunde und Menschen und kuschelt gern“, erzählt Iris Petrikat. Ihr gefiel der Gedanke, kranken Menschen damit eine Freude zu bereiten. „Viele Bewohner sind hin und weg, wenn ein Hund ins Haus kommt“, berichtet Teresa Nogueira, Leitung soziale Betreuung in der Seniorenwohnanlage. Sogar Demenzkranke reagierten auf die Tiere. „Sie entspannen sich und erzählen eigene Erlebnisse“, so Teresa Nogueira. Wie „Eisbrecher“ wirkten Hunde, weiß Kati Zimmermann, selbst eher wortkargen Menschen lösten sie die Zunge. „Ein Hund kann sich nicht verstellen“, sagt Friederike Boissevain. Er zeige keine Scheu vor Menschen, nur weil sie schwerkrank seien. Deshalb biete der Hospizverein dieses Projekt an, das mit Spenden und anteilig von den Hundehaltern finanziert werde. Und der Job der Vierbeiner? Sich streicheln lassen, spielen oder Rollstuhlfahrer an die frische Luft begleiten.

 Der Besuch bei Ilona Schmidt ist zugleich eine Übung. „Die Hunde müssen lernen, vorsichtig aufs Bett zu steigen“, erklärt Kati Zimmermann. Es gelte zu vermeiden, dass sie einem gebrechlichen Menschen auf die Beine springen.

 „Es ist eine Herausforderung“, gesteht Iris Petrikat, zumal Thayra zuvor keine Hundeschule besucht habe. Sie müsse noch lernen, auf Kommando sofort Platz zu machen.

 Bis zur Prüfung (Theorie und Praxis) Anfang Mai bleibt noch Zeit. Dann können die Besuchshunde gebucht werden.Weitere Infos unter Tel. 04346/6026448.

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