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Deutschstunde im Krankenhaus Sie büffeln den Konjunktiv

In der Imland Klinik in Rendsburg verbessern junge Ärzte aus Ägypten, Iran und Jordanien in einem Deutschkursus ihre Sprachkenntnisse. So sollen sie sich besser mit Patienten, Angehörigen, Pflegern und Ärzten unterhalten können. Das Krankenhaus spricht von einem Pilotprojekt.

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Aenne Thode (von links) gibt Abdallah Alqaoud, Ashraf Khalil und Safa Sahaf in der Imland Klinik Deutschunterricht.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Rendsburg. Erst leicht holprig, dann immer flüssiger: Ashraf Khalil liest in einem Besprechungsraum in der Imland Klinik einen deutschen Text vor. Es geht um Ängste von Patienten und Angehören im Krankenhaus. Der Ägypter ist Arzt und seit einem halben Jahr in Deutschland. Er hat erste Kenntnisse am Goethe Institut in seinem Heimatland erworben und sagt: „Ich liebe Sprachen.“ Im Text stolpert er über das Wort bettlägerig, schaut fragend auf und bietet als Erklärung „im Bett liegen“ an. Aenne Thode wiegt den Kopf und ergänzt: „im Bett liegen müssen.“

Aenne Thode ist Dozentin für Deutsch. Sie unterrichtet an diesem Nachmittag neben dem 32 Jahre alten Ashraf Khalil, den 26-jährigen Jordanier Abdallah Alqaoud und die 30 Jahre alte Safa Sahaf aus dem Iran. Alle sind ausgebildete Ärzte, mit einem Visum und Grundkenntnissen in der Sprache nach Deutschland gekommen. Jetzt arbeiten die Mediziner in der Neurologie der Imland Klinik an der Lilienstraße in Rendsburg. Sie möchten bleiben - mindestens die nächsten Jahre. 

Warum sie Deutsch büffeln? Abdallah Alqaoud sagt: „Es ist noch, schwierig mit Angehörigen, Patienten und Kollegen zu sprechen.“ Seit ein paar Wochen nimmt er am Sprachkursus von Aenne Thode teil. „Meine Sprache ist im letzten Monat viel besser geworden“, findet der Jordanier.

Deutschunterricht im Krankenhaus war die Idee von Britt Lorenzen. In der Imland Klinik ist sie für die innerbetriebliche Fortbildung zuständig. Sie ist gelernte Sprachlehrforscherin mit dem Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache. Da lag das Angebot nahe. Start war Mitte Juni, sagt die Angestellte. Der Bedarf sei da. Erste Schülerin war Safa Sahaf aus dem Iran. Seit gut zwei Jahren lebt die junge Ärztin in Deutschland. Angefangen hat ihre Arbeit mit der Teilnahme an einem Forschungsauftrag an der Uniklinik Eppendorf in Hamburg. Für die junge Frau ist klar: „Als Ärztin soll man sehr gut deutsch sprechen. Wir sprechen mit deutschen Patienten und Angehörigen.“

Ja, sagt Dr. Ulrich Pulkowski, Chefarzt der Neurologie, wo die drei jungen Ärzte arbeiten: „Die Neurologie ist eine sprechende Arbeit.“ Reden und Erklären ist Alltagsgeschäft. „Und die Kollegen müssen Arztbriefe schreiben, da sind die Fachbegriffe noch das Leichteste“, ergänzt der Chefarzt. „Konjunktive ohne Ende“ seien die Herausforderung. Nämlich dann, wenn Angaben von Patienten oder Angehörigen wiedergegeben werden müssen. Die indirekte Rede - „man muss damit kämpfen, aber wir schaffen das am Ende hoffentlich“, sagt der Ägypter Ashraf Kahlil. 

Aenne Thode hat nur Lob für ihre Schüler: „Ich bin begeistert. Ich habe allergrößten Respekt vor den Dreien, wenn ich sehe, was sie in so kurzer Zeit geleistet haben.“ Dreimal die Woche büffeln die jungen Ärzte im Anschluss an ihre Arbeit in der Neurologie - montags, mittwochs, donnerstags.

Für Dr. Pulkowski sind die jungen Kollegen Fachkräfte, die er dringend braucht. „Die Neurologie vergrößert sich. Wir haben einen Mangel an Ärzten.“ Der Neurologe geht noch einen Schritt weiter, er rechnet damit, dass mit dem Flüchtlingsstrom auch Patienten kommen. Dann hat er Kollegen im Krankenhaus, die mit Iranern Farsi und mit Syrern arabisch sprechen.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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