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Respekt vor schuppigen Freunden

Gettorf Respekt vor schuppigen Freunden

Sie erinnern an die noch junge Erde: schuppige Echsen, schillernde Chamäleons, riesige Spinnen. Im Zoo Gettorf traf der Terrarienkreis Kiel am Wochenende mit seiner Ausstellung ins Schwarze. Je bizarrer, desto mehr reizen die ungewöhnlichen „Haustiere“ zum Anfassen.

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Bente, Christian und Nikolas (v.l.) zeigen australische Blauzungenskinke, die sich entspannt auf dem Arm nehmen lassen.

Gettorf. Das Bartagamen-Männchen ist genervt. „Den lassen wir mal in seiner kleinen Ausstellungswelt“, sagt Bente (13). „Er soll ja keinen Stress haben.“ Woran die junge Expertin das erkennt? „Er hat seinen Stachelbart aufgestellt und schwarz gefärbt. So macht er sich imposant und droht denen, die sich nähern. Dabei sind die Stacheln ganz weich. Er will jetzt keinen Kontakt, obwohl er sonst so zutraulich ist.“

 Bente, Justin, Christian (alle 13) und Niklas (15) sind die Referenten, die in Kurzvorträgen über Tiere, die sie zu Hause in großen Terrarien halten, aufklären. Der Funke der Begeisterung springt gleich über, wenn die Jugendlichen vom Terrarienkreis Kiel und Umgebung so fachmännisch über ihre Bartagamen, Chamäleons, Kronengeckos, Spinnen, Stabheuschrecken berichten. Die achtjährige Lina lässt sich ohne mit der Wimper zu zucken die faustgroße Rotknievogelspinne (Brachipelma smithi) auf die Hand setzen und findet das „kitzelig“. „Die ist entspannt“, versichert Jugendwart Jan Witt. Vorsichtig tastet das unheimlich aussehende Tier mit den behaarten Beinen die Hand ab. Lockerer wirkt sie, als sie in ihre kleine grüne Welt hinter Glas zurückkehren darf.

 Haben diese Tiere Emotionen? „Man streitet darüber. Aber ich denke, ja“, berichtet Niklas aus seiner Erfahrung mit Jemenchamäleons (Chalanaeleo calyptratus). „Sie färben sich um, um ihren Seelenzustand mitzuteilen. Die Färbung ist nicht, wie viele Menschen glauben, eine Anpassung an die Umgebung. Wenn man sie lange hat, kann man ihre Stimmungen gut verstehen und darauf reagieren.“ Grün mit gelben Streifen ist ein Männchen, wenn es sich wohlfühlt. Grellbunt zeigt sich dieser Einzelgänger, wenn er allein sein will. Je nach Farbe wirkt der dann abschreckend oder imposant. Und tankt dieses schillernde Tier, das mit Schwanz bis zu 60 Zentimeter lang werden kann, genüsslich Sonne, wird es fast schwarz. Niklas: „So nimmt er viel Wärme auf.“ Weil sich sein kleiner Schuppenmann unter Beobachtung der Zoobesucher sichtlich unwohl fühlte, hat er ihn wieder nach Hause gebracht.

 „Wir klären auf, welche Verantwortung Reptilienbesitzer haben, dass die Tiere 20 bis 30 Jahre und länger leben, wie es mit dem Artenschutz steht, dass sie einen optimal gestalteten Lebensraum brauchen“, erläutert der Vorsitzende Philipp Kirchhoff. So geben die Mitglieder in Gettorf auch Bauanleitungen für das artgerechte Innenleben von Terrarien, nennen die notwendigen Abmessungen. Welche Faszination von großen Würgeschlangen wie der Tigerpython ausgeht, erstaunt ihn kaum. Sogar Kinder wollen „Schlangen streicheln“. „Hier geht das unter Aufsicht“, betont er. „Aber eine Schlange ist kein Spielzeug und im Zweifelsfall gefährlich. Wir wünschen uns mehr Respekt vor diese wunderbaren Lebewesen.“ Mehr Infos unter: www.terrarienkreiskiel.de.

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