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In Abgründe geschaut

Altenholz In Abgründe geschaut

Zehn Jugendliche und Erwachsene der Kirchengemeinde Altenholz besuchten vom 8. bis 11. April den Ort, an dem die Nazis über eine Millionen Menschen ermordeten. Gestern berichteten sie, was sie in Auschwitz, heute Oswiecim, erlebten und fühlten. „Wir bewegten uns über Abgründen“, brachte es Pastor Dirk Große (55) auf den Punkt.

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Auschwitz war das größte Vernichtungslager der Nazis. Das Foto zeigt die Gruppe aus Altenholz, die sich an den Ort begab, an dem 1,1 Millionen Menschen ermordet wurden.

Quelle: hfr

Altenholz. Antje (17), Bente (18), Julia (18) und Peer (16) gehen alle noch zur Schule. Sie haben dort im Geschichtsunterricht erfahren, welches Leid der Nazi-Terror über die Welt gebracht hat. „Wir reden auch zu Hause über dieses Thema“, sagt Julia. Aber kein Gespräch, kein Geschichtsbuch und kein Film vermag das zu vermitteln, was die jungen Altenholzer und ihre Eltern bei ihrem Besuch in Oswiecim erlebten. „Wir standen an der Rampe, an der die Züge ankamen, wir standen vor den Gaskammern, wir standen vor einer riesigen Glaswand, hinter der tausende Kinderschuhe lagen“, fasst Viola Johannsen (45), die Mutter von Bente, zusammen. Bereits drei Mal sei sie in Buchenwald gewesen. Aber an keinem anderen Ort wird ihrer Überzeugung nach das Grauen so deutlich wie an dem Ort, an dem sich das größte Vernichtungslager der Nazis befand. „Wenn man deutsche Geschichte begreifen will, sollte man nach Auschwitz fahren“, empfiehlt Viola Johannsen.

 Antje wollte zunächst nicht mitfahren. „Ich war hin- und hergerissen, aber im Nachhinein bin ich froh, dass ich dabei war, denn ich hatte wertvolle Erlebnisse, die ich nie vergessen werden“, erzählt sie. Julia erging es ähnlich. Sie fuhr mit „sehr gemischten Gefühlen“ nach Auschwitz und sah sich in einem Spannungsfeld zwischen „Mir geht’s gar nicht gut“ und „Ich möchte mehr darüber wissen“.

 Peer erinnert sich vor allem an das „Buch des Opfer“, The Book of the Names. Ihm erging es beim Anblick der vielen Namen so wie Viola Johannsen. „Spätestens hier sind 1,1 Millionen getötete Menschen keine bloße Zahl mehr, sondern pure Existenz. Jede Zahl ein Name. Jede Nummer ein Mensch.“ Das berührt, das macht fassungslos, das geht nahe. Die Jugendlichen, die normalerweise in den Ferien lieber unter sich sind, waren in solchen Momenten froh, dass ihre Eltern dabei sind. „Wir waren eine gute Gruppe“, sagt Viola Johannsen.

 Pastor Dirk Große war bereits vor zwölf Jahren schon einmal in Auschwitz. Für ihn ist es eine „Verpflichtung der Kirche, Friedensarbeit zu leisten“. Dieser Herausforderung werde er sich stellen, so lange er Pastor ist.

 Die Teilnehmer der Auschwitz-Fahrt sind sich einig: „Wehret den Anfängen!“ Für Dirk Große steht fest: „Jeder, der in Auschwitz war, wird sich künftig anders positionieren, wenn ,Deutschland den Deutschen!’ oder ,Ausländer raus!’ skandiert wird.“

 Eine Text- und Fotodokumentation über die Fahrt nach Auschwitz ist ab nächster Woche auf der Internetseite der Kirchengemeinde Altenholz nachzulesen: www.kirche-altenholz.de

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Ein Artikel von
Burkhard Kitzelmann
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