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„Wir sind nicht lebensmüde“

Kampfmittelräumdienst Groß Nordsee „Wir sind nicht lebensmüde“

Sie haben einen gefährlichen Job – doch lebensmüde sind sie nicht. „Alles, was man zusammenbauen kann, kann man auch wieder auseinanderbauen“, sagt Uwe Kuenzel, neuer Leiter des Kampfmittelräumdienstes in Groß Nordsee. Seine 40 Mitarbeiter beseitigen Kriegsaltlasten genauso wie Explosivstoffe von Terroristen.

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Relikt des Krieges: Uwe Kuenzel, neuer Leiter des Kampfmittelräumdienstes in Groß Nordsee, vor einer Ankertaumine.

Quelle: Torsten Müller

Felde. Der Name Lärchenweg lässt an Idylle denken. Doch die Zufahrt im Wald endet an einem Hochsicherheitstrakt. Auch das Gelände dahinter hat keine idyllische Geschichte. Dort lagerten in der Nazi-Zeit riesige Schwerölbunker für die Kriegsflotte. Seit 1963 wird an diesem Ort die unselige Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes wieder zurückgeschraubt: Tötungswerkzeuge werden unschädlich gemacht und zerlegt.

 Der Kampfmittelräumdienst gehört zum Landeskriminalamt in Kiel, seit einem halben Jahr bildet er ein eigenes Dezernat. „Kein Arbeitstag ist hier wie der andere“, sagt Kuenzel, der bereits in kurzer Zeit so viel in Schleswig-Holstein unterwegs war „wie nie zuvor“. Gestern waren seine Mitarbeiter damit beschäftigt, im Tiroler Ring in Kiel zu sondieren und Bombenreste zu entfernen; in der Flensburger Förde und im Plöner See stiegen Taucher ins kalte, trübe Wasser, um explosive Altlasten zu beseitigen.

 Doch nicht jeder Arbeitsplatz birgt Gefahren. „Wir haben auch Geografen, die alte Luftbilder auswerten“, sagt der Dezernatsleiter. Vor etwa 70 Jahren warfen Engländer und Amerikaner nicht nur mehr als eine halbe Million Bomben auf Kiel, sie machten auch unzählige Fotos aus der Luft. „Für ein Flurstück gibt es allein 100 Bilder“, weiß Kuenzel. Lange wurden diese Aufnahmen von den Engländern als militärische Geheimnisse gehütet – jetzt kann man sie kaufen. In Groß Nordsee sind bereits rund 75000 Bilder archiviert. Für Wasserflächen gibt es keine Luftbilder.

 90 Gemeinden sind derzeit in Schleswig-Holstein als Kampfmittelverdachtsflächen ausgewiesen. „Wer dort bauen will, muss zunächst eine Bodenüberprüfung beantragen“, sagt Kuenzel. Die Anzahl der Anträge stieg im vergangenen Jahr stark auf 3500 an. „Früher waren es etwa 300“, sagt er. Die Sondierungen übernehmen in der Regel Fachfirmen, bei schweren Verdachtsfällen wird Groß Nordsee selbst aktiv. Doch nicht hinter jeder Verdachtsstelle lauert auch wirklich Gefahr; das ist nur bei jeder fünften der Fall.

 Wird eine Bombe in einer dicht besiedelten Umgebung gefunden, muss rasch gehandelt werden. „Sorgfältigkeit geht aber immer vor Schnelligkeit“, warnt Kuenzel, der als administrativer Leiter selbst nicht im Einsatz ist. Die Entschärfung übernehmen hoch erfahrene technische Mitarbeiter. „Sie treffen vor Ort selbst die Entscheidungen“, erläutert er. Kriegswaffen können immer wieder Tücken aufweisen, schließlich sind sie zum Töten bestimmt – leider auch noch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende.

 In Groß Nordsee werden Kampfmittel nur noch in Notfällen oder zu Schulungszwecken in Kleinstmengen gesprengt. „Alles, was transportfähig ist, kommt zu einem Spezialbetrieb in Munster“, sagt Kuenzel.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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