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Kanalisation bekommt Probleme

Achterwehr Kanalisation bekommt Probleme

Kredite sind günstig, der Bauwille ist ungebrochen. Dennoch haben es Gemeinden wie Bredenbek derzeit schwer, von den Genehmigungsbehörden grünes Licht für die Ausweisung neuer Baugebiete zu erhalten. Grund: Das Abwasser kann nicht beseitigt werden. Eine neue Leitung würde eine Million Euro kosten

Seit mehr als 20 Jahren in Betrieb: Das Klärwerk des Amtes Achterwehr in Quarnbek könnte noch mehr Abwasser vertragen.

Quelle: Torsten Müller

Achterwehr. „Die Schmutzwasserleitung zum Klärwerk in Quarnbek hat ihre maximale Kapazität erreicht“, bilanzierte Michael Eickmann, Regionalleiter der Schleswag Abwasser, jetzt im Amtsausschuss. Es geht um den etwa acht Kilometer langen Kanal, der von der Raiffeisenstraße in Bredenbek über das Pumpwerk bei Neu Nordsee bis zum Klärwerk des Amtes Achterwehr in Flemhude führt. Eickmann differenzierte: „Im Normalbetrieb gibt es keine Probleme – aber bei Starkregen.“ Dann könnten die Pumpen die anfallende Menge nicht mehr bewältigen. Regenwasser gehört in diesen Kanal eigentlich nicht hinein; dennoch fließt es zu. Als Ursache zieht Eickmann auch „Fehleinleitungen“ in Betracht. Das meiste dringt bei solchen Ereignissen aber durch die Kanaldeckel ins Abwassersystem ein. Zusammen genommen fließt genauso viel Regenwasser wie Schutzwasser in der Leitung. Bredenbeks Bürgermeister Bartelt Brouer (SPD) wies aber Mängel in seiner Gemeinde zurück: „Fehlanschlüsse sind beseitigt.“

 Wie sieht eine Lösung aus? „Die Pumpen zu vergrößern, bringt nicht viel. Es sind bereits große eingebaut“, stellte der Fachmann fest. Durch längere Laufzeiten seien diese zudem stärkerem Verschleiß ausgesetzt. Eine massive Betriebsstörung sei in naher Zukunft nicht ausgeschlossen. Um diese zu verhindern, sieht die Schleswag Abwasser zwei Lösungen: entweder den Einbau eines unterirdischen Zwischenspeichers für etwa eine Viertelmillion Euro oder das Verlegen einer zweiten Abwasserleitung auf der gesamten Strecke – Kostenpunkt: rund eine Million Euro. Da die erste Lösung zusätzlich hohe Betriebskosten verschlingt, befürwortet Eickmann die zweite. Die Abwasserentsorgungsgesellschaft, die zu 51 Prozent dem Amt und zu 49 Prozent der Schleswag Abwasser gehört, hat bereits die finanziellen Folgen einer solchen Investition berechnet. Der Wasserpreis würde sich um 20 Cent pro Kubikmeter auf 3,05 Euro erhöhen.

 Adolf Dibbern (CDU), Westensees Bürgermeister, riet, „nicht die Bürger anderer Gemeinden zur Kasse zu bitten, sondern nach dem Verursacherprinzip zu verfahren“, wenn Gemeinden Baugebiete ausweisen wollten. Marko Schiefelbein (AWG), Bürgermeister in Krummwisch, hielt dagegen: „Schon jetzt muss die Leitung ertüchtigt werden.“ Bernd-Uwe Kracht (WF, Felde) unterstützte ihn: „Die Solidargemeinschaft auszuhebeln, kommt nicht in Frage.“ Eine politische Entscheidung wird noch in diesem Jahr erwartet. Das Klärwerk kann auch ohne bautechnische Veränderung mehr Abwasser verdauen, obwohl es ursprünglich nur für 10000 Einwohnergleichwerte ausgelegt war.

Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung