23 ° / 11 ° Gewitter

Navigation:
Mit Schatzi in Kalifornien

Katja Kessler in Eckernförde Mit Schatzi in Kalifornien

Ein bisschen weite Welt zog am Donnerstagabend in das Eckernförder Stadthallenrestaurant ein: Katja Kessler las auf Einladung der Buchhandlung Liesegang aus ihrem Bestseller Silicon Wahnsinn, wie ich mal mit Schatzi nach Kalifornien auswanderte. 30 Frauen und fünf Männer lauschten ihren Eindrücken.

Voriger Artikel
Die nächste Pastorin geht
Nächster Artikel
Wo sollen Flüchtlinge untergebracht werden?

Katja Kessler schildert amüsant teils absurde Anekdoten aus dem Silicon Valley, sorgt aber auch für Nachdenklichkeit.

Quelle: Kai Pörksen

Eckernförde. Und die sind zunächst nicht besonders positiv: Nach zehn Stunden Flug hemmt zunächst der Immigration Officer am Flughafen die Einreise der sechsköpfigen Potsdamer Familie. Schatzi ist Kesslers Mann Kai Diekmann, Chefredakteur der Bildzeitung, der beruflich für ein Jahr ins Silicon Valley reisen muss und seine Familie mitnimmt. Caspar, Yella, Kolja und Lilly sind die Kinder, die ersten drei im frühen schulpflichtigen Alter, Lilly noch im Kindergarten. Nach intensivster Prüfung gelingt die Einreise, der Officer, Herr über Ja oder Nein, hat positiv entschieden.

 Es folgt der Weg auf dem achtspurigen und von Schlaglöchern geprägten Highway 101 nach Palo Alto, dem Ziel der Reise. Erst nach Überfahren der Stadtgrenze ändert sich das Bild von trostloser Wüste zur blühenden Metropole. Man wohnt zunächst im Hotel, isst aus dem Kochtopf vom Boden, bringt die Kinder in Schule und Kita und Caspar bricht sich gleich am ersten Tag das Handgelenk. Lilly hat ihre Unterhose mit Bärchenmotiv irgendwo ausgezogen, eine Katastrophe im prüden Amerika, für die Eltern dort schon ins Gefängnis wanderten. Die Familie lebt in einer Deutschen-Enklave – der Mann getrennt in einer Männer-WG, Kessler und die Kinder in einer separaten Wohnung.

 „Ich habe mich noch nie so deutsch gefühlt wie dort“, sagt Kessler, echter Kontakt zu Einheimischen sei schwer zu bekommen, wenn die erführen, dass der Aufenthalt nur begrenzt sei. Die Familie findet sich ein, nach drei Monaten gibt es eine Krise. „Ich bin langsam vereinsamt“, erinnert sich Kessler. Der Kontakt zur Heimat ist wegen zehn Stunden Zeitverschiebung umständlich und oft nicht passend. Sie beginnt zu schreiben, das hilft. Der Aufenthalt wird erträglicher, oft auch schön.

 Still wird es im Raum, als die in Kiel geborene Autorin von einem Amoklauf berichtet, der zwar an der Ostküste passierte, aber Auswirkungen auch auf die Schulen und Kitas im Silicon Valley hatte. Die Kinder mussten lernen, beim Wegrennen wie die Hasen Haken zu schlagen und auch, wie sie sich in den Klassenräumen verschanzen können. Da gibt es viel zu verarbeiten.

 Kessler findet den richtigen Ton und schafft es, bei ihren Zuhörern ein Me-Too-Gefühl (Ich auch) zu erreichen. Ja, das kennen wir, denken viele an diesem Abend, wenn es um das Rollenspiel zwischen Mann und Frau geht. Manchmal ist die weite Welt gar nicht so viel anders als die kleine vor Ort.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

KSV-Liveticker!

KSV-Spielstand online
verfolgen, mit dem
KN-KSV-Liveticker

Anzeige