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Mimik, Gestik, Betonung

Kleinstadt Theater Nortorf Mimik, Gestik, Betonung

Die Sprache ist Jürgen Gissels Passion. Damit Texte und Songs von Bert Brecht in der szenischen Lesung „Schlaglichter“ zu Miniaturen mit darstellerischem Diamantschliff werden, arbeitet der Regisseur mit dem Ensemble des Kleinstadt Theaters Nortorf an Mimik, Gestik, Betonung. Am 3. September ist Premiere.

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Ein Gedicht von Bert Brecht über Bewegungen und Betonung erzählen: Regisseur Jürgen Gissel übt mit Annika Braasch die Sprache der Bühne.

Quelle: Beate König

Nortorf. Noch allerdings proben die 14 Schauspieler auf der Bühne der Aula in der Gemeinschaftsschule für den knapp 90 Minuten langen Brecht-Abend. Von kreativem Chaos ist dabei keine Spur. Gissels Arbeit hat System. „Ich weiß, wo ich hin will“, sagt der Regisseur, der 1989 bei Hermann Wedekind lernte und nach der Straßberg-Methode anleitet. Gefühle abrufen und auf der Bühne durchleben, nicht spielen, das ist die große Kunst, die er Schritt für Schritt vermitteln will.

 Damit Brechts kurze Texte ihre volle Kraft entfalten können, ist Arbeit an jedem Detail entscheidend. Weg vom Aufsagemodus, hin zum gesprochenen Erlebnis, das Zuschauer mitreißt, ist leichter gesagt, als getan. Requisiten und Kostüme sind bis auf Tisch und Stühle nicht vorhanden. Die Texte sollen durch das Können der Darsteller strahlen.

 Gissel ist entspannt: „Ich bringe Ihnen das alles bei“, versichert er, wenn die Satzmelodie bei aller Konzentration zum zehnten Mal nicht stimmt. „Spielen Sie italienisch“, ermuntert er, wenn Gesten zu klein ausfallen.

 Mit Ausdauer übt er die akkurate Betonung einer einzigen Silbe, Sprechtempo und Pausen. Die Richtung der Fußspitzen, die Haltung der Ellenbogen, der empörte Schlag mit der Hand auf den Tisch – alles wird besprochen, dann geprobt. „Theaterstimme!“ Auch das fordert Gissel von den ambitionierten Laiendarstellern immer wieder mit Lautstärke ein. „Wir können uns nicht auf die Technik verlassen.“

 Das könnte in Zukunft aber etwas leichter werden: Die VR Bank spendete dem 2007 in Nortorf gegründeten Theaterprojekt 500 Euro für eine neue Beschallungsanlage. Das Ensemble freute sich über die von Anja Spliessgardt überbrachte Spende. „Jetzt fehlen nur noch gut 1000 Euro, dann können wir drei Mikrofone, zwei Boxen und ein Mischpult finanzieren.“

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