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Der Turm der langen Schläuche

Feuerwehrzentrale Rendsburg-Eckernförde Der Turm der langen Schläuche

Der rote Turm am Stadteingang von Rendsburg mit umlaufendem Balkon unter dem Zeltdach wirkt wie ein übergroßer Ausguck am römischen Limes. Tatsächlich hängen hier Feuerwehrschläuche zum Trocknen.

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Oben im Turm hat Gerätewart Jörg Möller Überblick über die Schläuche, die zum Trocknen hängen.

Quelle: Jörg Wohlfromm

Rendsburg. 35 Meter hoch ist der Turm. 3000 Feuerwehrschläuche trocknen hier jährlich, hat Martin Schuldt ausgerechnet. Der Brandmeister ist Leiter Feuerwehrtechnischen Zentrale in der Berliner Straße in Rendsburg, zu der die Schlauchwäscherei gehört. Mit der Leistung ist Rendsburg bundesweit fast spitze. Nur im Turm der Frankfurter Feuerwehr hängen mehr Schläuche im Jahr, sagt Schuldt. Große Feuerwehren haben in der Regel mehrere Trockentürme, dann verteilt sich das mehr.

Die fünf Männer von der Berliner Straße können mehr, als Schläuche prüfen. Vergangenes Jahr haben sie mehr als 4400 Atemluftflaschen, 1751 Atemschutzgeräte, 3259 Atemmasken und 1948 Lungenautomaten für die Feuerwehren im Kreis Rendsburg-Eckernförde getestet. Sie haben außerdem 1360 Codierungen auf digitale Meldeempfänger gespielt. Martin Schuldt: „Wir sind hier eine Servicestelle.“ Besonders deutlich wird das bei den kleinen digitalen Meldeemfängern mit ihren 420 verschiedenen Einstellmöglichkeiten für Ruftöne, Display-Anzeige, oder Schleifen für die Alarmierung von Einsatzgruppen der Feuerwehr. „Die Wehrführer sind da sehr sensibel. Wenn sie sagen, sie brauchen eine zusätzliche Schleife, dann machen wir das“, versichert Schuldt. „Ohne lange Wartezeit.“

Feuerwehr-Schlauchwäscherei: Der gängige Begriff ist irreführend. In einem 22 Meter langen Edelstahlbecken im Erdgeschoss neben dem Turm rollt Gerätewart Jörg Möller einen gelben Feuerwehrschlauch zusammen. Grade hat er mit einem Wasserdruck von bis zu zwölf Bar getestet, ob der Schlauch hundertprozentig dicht ist. Das ist die Hauptaufgabe, sagt Martin Schuldt. „Sicherheit geht vor.“ Nur dichte Schläuche transportieren genug Wasser zur Brandstelle. Höchstens drei Löcher dürfe ein Schlauch haben. Sonst werde er aussortiert. 

Aussortieren muss nicht das Ende des Schlauchs sein. Bisweilen verkürzen die Männer den Schlauch um ein paar Zentimeter, wenn der Riss nahe an der Kupplung sitzt. Oder aus einem langen Schlauch wird ein kurzer. Oder sie flicken die Stelle. Etwa jeder zehnte Schlauch habe einen Fehler, etwa jeden 20. müsse die Zentrale aussortieren. Und es sind nicht immer die ältesten Teile, die löchrig sind. Schuldt: „Hier sind Schläuche dazwischen, die sind 40 Jahre alt.“ 

Die Männer in der Berliner Straße untersuchen auch XXL-Schläuche mit einer Länge von 35 Metern. Die stammen beispielsweise von der Ausrüstung der Rendsburger Drehleiter und sind zu lang für den Turm und die Wanne - eigentlich. Die Feuerwehrzentrale kapituliert vor einer solchen Länge nicht. Im Trockenturm hängen die XXL-Teile auf Hälfte wie auf einer Wäscheleine, dann passen sie rein. Auch in die Wanne packt Gerätewart Jörg Möller solche Schläuche auf Hälfte gelegt, bevor den Druck erhöht.

Die Arbeit hört nicht auf in der Berliner Straße. Draußen auf dem Hof stehen schon wieder zwei Katastrophenschutzfahrzeuge, ein Löschfahrzeug und ein Rüstwagen. Die Männer sollen die Ausrüstung checken. Am Wochenende haben sie erst einen Lkw an die Feuerwehr in Bünsdorf ausgeliefert.

Die Leute mögen ihren Job. „Das gehört dazu, sonst darf man hier nicht anfange“, sagt Martin Schuldt, der Leiter der Feuerwehrtechnischen Zentrale, wie das Haus seit 1. Januar korrekt heißt.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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