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Über die Balkanroute in die Amtsstube

Praktikum beim Kreis Über die Balkanroute in die Amtsstube

Ali Schmidt macht als erster Flüchtling im Kreishaus in Rendsburg ein Langzeitpraktikum. Ali wer? Der gebürtige Afghane hat den typisch deutschen Namen, weil ihn eine Familie aus Owschlag adoptiert hat. Er kam über die Balkanroute, beim Kreis will er jetzt deutsche Gesetze kennenlernen.

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Wie funktioniert Verwaltung? Ali Schmidt lernt das im Kreishaus. Ausbildungsleiterin Katja Schröder hilft dem Flüchtling dabei.

Quelle: Hans-Jürgen Jensen

Rendsburg. "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Es ist dieser eine Satz im Grundgesetz, der bei Ali Schmidt etwas ausgelöst hat. "Ich fühlte mich das erste Mal als Mensch, dessen Würde nicht antastbar ist." Menschenwürde gab es nämlich nicht für ihn im Iran. Dort wuchs der gebürtige Afghane auf. Immer habe er sich vor der Polizei verstecken und in einer geheimen Schule lernen müssen. Denn er habe keinen gültigen Pass gehabt. Schließlich habe er beschlossen, sich auf den Weg nach Europa zu machen. Über die Balkanroute kam der heute 18-Jährige vor zwei Jahren nach Rendsburg - und lebte zunächst im Containercamp an der Büsumer Straße.

Lebensläufe, Beurteilungen, Zeugnisse

Jetzt sitzt er in einem Seitengang im ersten Stock im Kreishaus in Rendsburg im Büro einer Kollegin, die gerade Urlaub hat. Hier liest er in der Personalabteilung Gesetzestexte und sortiert Bewerbungen. Auf seinem Schreibtisch lagen vor wenigen Tagen mehr als 70 Schreiben von Interessenten aus der ganzen Bundesrepublik, die beim Kreis eine Stelle als Bürokraft antreten wollen. Ali Schmidt hat Lebensläufe, Beurteilungen und Zeugnisse durchgekämmt und rund 15 geeignete Bewerber heraus gefiltert.

Aussicht auf eine Ausbildung

Ein paar Bürotüren weiter sitzt Katja Schröder, sie ist Ausbildungsleiterin in der Kreisverwaltung und nach den ersten dreieinhalb Wochen mächtig angetan von Ali Schmidt: "Er ist sehr motiviert und engagiert. Er arbeitet sich schnell in die Vorgänge ein. Er ist sehr fleißig." Wenn er so weiter macht, "wird er hier eine Ausbildungsstelle bekommen". Dann wäre Ali Schmidt der erste Flüchtling, den der Kreis zum Verwaltungsfachangestellten ausbildet.

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Ein Artikel von
Hans-Jürgen Jensen
Holsteiner Zeitung

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