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„Wir müssen heilige Kühe schlachten“

Kronshagener Haushalt „Wir müssen heilige Kühe schlachten“

So groß war das Defizit noch nie. Einstimmig verabschiedete die Kronshagener Gemeindevertretung am Donnerstagabend den Haushalt 2016, in dem ein Loch von 1,9 Millionen Euro klafft. Auch in den Folgejahren ist kein Silberstreifen am Finanzhorizont zu erkennen.

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2015 kam er nicht zum Zuge, doch 2016 soll der Anbau für eine Elementagruppe an der Awo-Kindertagesstätte im Hühnerland über die Bühne gehen.

Quelle: Torsten Müller

Kronshagen. Trost aus Uganda: Andrea Linfoot (CDU) hatte den Mitgliedern der Vertretung Honiggläser auf den Tisch gestellt. Diese Weihnachtsgeschenke bekam sie kürzlich bei ihrem Besuch in der möglichen Partnergemeinde Bushenyi/Ishaka von Bürgermeister Kamugasha Jackson.

 Thomas Kahle (CDU), Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, gab sich selbstkritisch: Zu Beginn dieses Jahres habe es noch gute Vorsätze in der Runde gegeben, die Ausgaben in 2016 zu reduzieren. Doch trotz einer umfangreichen Giftliste kam es zu keinen Einsparungen: Noch scheuen sich die Fraktionen, Standardabsenkungen vorzunehmen. Auch mit höheren Steuersätzen belasten sie die Kronshagener im kommenden Jahr nicht. Die Grundsteuern bleiben bei 330 und die Gewerbesteuer bei 380 Prozent.

 Damit die Ausgaben finanziert werden können, nimmt die Gemeinde Kredite in Gesamthöhe von 4,6 Millionen Euro auf und greift die Rücklagen an. Die liquiden Mittel sinken von 9,3 auf 5,1 Millionen Euro ab. Finanziert wird dadurch auch der Anbau für eine Elementargruppe in der Awo-Kindertagesstätte im Hühnerland, der etwa 300000 Euro kostet. Die Kreditaufnahmen sind für die Kanalsanierung, die Asyl-Unterkunft in der eventuellen neuen Sporthalle und einen Teil der Ortskernentwicklung bestimmt. Dennoch klafft im Finanzhaushalt noch eine Lücke von 2,8 Millionen Euro.

 Kahle hofft, dass durch den Verkauf von Grundstücken im Ortskern in den Folgejahren wieder Geld in die Kasse zurückfließt. Sorgen bereitet ihm aber das strukturelle Haushaltsdefizit, das er auf etwa 400000 Euro bezifferte. Marja-Leena Tuominen-Flath, SPD-Fraktionschefin, forderte: „Wir müssen heilige Kühe schlachten.“ Künftig sollten sich nicht allein die Fraktionsspitzen mit der Suche nach Einsparmöglichkeiten beschäftigen, „sondern wir alle gemeinsam“.

 Gudrun Rempe, Fraktionschefin der Grünen, zog aber auch eine positive Bilanz: Die gemeinsame Anstrengung der Fraktionen und vieler ehrenamtlicher Helfer habe die Unterbringung von Flüchtlingen ermöglicht. Die politische Arbeit sei aber durch Anwohner erheblich erschwert worden. Sie hätten alternative Standorte ins Spiel gebracht, damit bei ihnen keine Asyl-Unterkunft errichtet werde.

 Mitglieder der Gemeindevertretung nahmen bei der Haushaltsdebatte aber auch eine andere Lücke wahr: „Mir fehlt heute Abend Herr Graetsch, der uns mit seinem Wissen und den Zahlen in seinem Hinterkopf viel geholfen hat“, sagte stellvertretend Gudrun Rempe. Der streitbare UKW-Chef, Finanzexperte und Dienstältester in der Runde, war im April gestorben.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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