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Tanz und Texte zum Holocaust

Kronshagener Schüler-Projekt Tanz und Texte zum Holocaust

Es ist ein außergewöhnlich mutiges Bühnenprojekt: Seit Monaten arbeiten Schüler des Gymnasium Kronshagen unter professioneller Begleitung an einem Stück über die Judenvernichtung. Premiere ist am Mittwoch, 10. Februar, in der Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Seelentanz nach dem Holocaust: Schüler strecken die Hand zur Versöhnung aus. Choreograf Preslav Mantchev entwickelte mit Zehntklässlern am Gymnasium Kronshagen das Tanztheater „Gefühle im Holocaust“.

Quelle: Torsten Müller

Kronshagen. „Stumme Schreie – Gefühle im Holocaust“ verdichtet Tanz, Musik, Texte und Bühnenbilder zu einer intensiven Erfahrung. Es ist ein Wagnis und gleichzeitig eine große Herausforderung, dem Grauen, der Sprachlosigkeit und dem Leid Ausdruck zu verleihen. Der deutsch-ungarische Regisseur Preslav Mantchev und die Initiatorin des Projektes, Anne Lipkow, sind dieses Wagnis zusammen mit 28 Schülern der Klasse 10a eingegangen. Monate intensiver Bühnenarbeit haben die Schüler verändert.

 „Am Anfang war ich ganz unsicher und fragte mich: Ist es überhaupt statthaft, eine solche Thematik als Ballett auf die Bühne zu bringen?“, sagt Schülerin Emily Braun. Der Druck, der auf ihr lag, machte sich sogar in den Träumen bemerkbar. Auch an Wiebke Graf nagten Zweifel: „Schaffe ich es wirklich, diese Gefühle rüberzubringen?“. Dass am Ende die Zweifel und Versagensängste nicht überhand nahmen, lag vor allem an Preslav Mantchev. „Er ist die Ruhe selbst und ein so lebensfroher Mensch, dass wir bei den Proben auch mal lachen können“, beschreibt Wiebke Graf den Regisseur, und Henrik Prestin fügt hinzu: „Er hat die Kommunikation in dem Projekt sehr gefördert. Wir konnten uns einbringen, was wir uns am Anfang nicht getraut haben.“ Das Vertrauen ist wichtig, denn die Schüler lassen sich auf tiefe Gefühle ein.

 Kunstlehrer Thorsten Hiebner kreierte sechs Rollwände für das wechselnde Bühnenbild. Es beginnt mit einer Straßenszene: Menschen feiern, plötzlich werden die Juden aus dieser Gruppe ausgeschlossen. Später sieht man sie in einem Eisenbahnwagon, der Kurs auf ein Konzentrationslager zur Vernichtung nimmt. Gefühle wie Angst, Verzweiflung, Wahnsinn, Hoffnung und Enttäuschung wechseln sich ab. Bewegungen werden zu stummen Schreien. Musik von Arnold Schönberg erklingt, Schüler lesen selbst geschriebene Dialoge, Tagebuchnotizen, Gedichte. Am Ende finden sich die Seelen in einer geistigen Welt wieder und reichen die Hand zur Versöhnung.

 „Schade, dass nur wir diese Erfahrung machen können. Sie ist so wichtig für unsere Generation, damit dieser Teil unserer Geschichte wachgehalten wird und der Holocaust nicht noch einmal passiert“, bedauert Annabell Paris.

 Aufführungen: Mittwoch, 10. Februar, um 16 Uhr in Neuengamme, am Sonnabend, 13. Februar, um 18 Uhr im Kieler Gemeindesaal, Eckernförder Straße 63, im Gymkro am Montag/Dienstag, 15./16. Februar, jeweils um 19 Uhr. Dazu gibt es jeweils eine Stunde vorher eine Ausstellung.

Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung