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Der deutsche Kümmerer aus dem Irak

Kronshagen Der deutsche Kümmerer aus dem Irak

Ordnung ist ihm wichtig. „So deutsch bin ich schon geworden“, sagt Shwan Samad. Der 46-jährige Kurde aus dem Irak setzt deutsche Lebensvorstellungen durch – das ist seine Aufgabe in Kronshagen. Als Kümmerer sorgt er in den fünf Flüchtlingsunterkünften dafür, dass alles funktioniert und erhalten bleibt.

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Der Kümmerer:: Shwan Samad achtet als Hausmeister auf die Ordnung in den fünf Asylbewerber-Unterkünften in Kronshagen.

Quelle: Torsten Müller

Kronshagen. Täglich macht Samad seine Runde durch die Unterkünfte und schaut nach dem Rechten: Wenn der Wasserhahn tropft oder der Strom nicht mehr geht, repariert er wie ein Hausmeister. Doch häufig geht es um Vermittlung und Unterweisung: Wie funktioniert Deutschland?

 In den Unterkünften sind alle Zimmer mit Rauchmeldern ausgestattet: Auch Zigarettenqualm kann dort Alarm auslösen. „In sieben Minuten ist die freiwillige Feuerwehr da“, weiß Samad. Um solche Konflikte zu verhindern, muss er aufklären und mahnen – doch nicht jeder Bewohner versteht das Rauchverbot: „Im Irak wird viel geraucht, eine Schachtel kostet 80 Cent. Es gibt keine Alarmmelder, und die Feuerwehr kommt nicht so schnell.“ Samad war im Irak im Sicherheitsdienst und als Dolmetscher tätig, 1997 floh er nach Deutschland. Er spricht fünf Sprachen und ist deutscher Staatsbürger. Seit Februar arbeitet er im Auftrag des AWO-Landesverbandes für die Flüchtlingsbetreuung der Gemeinde.

 Heizen und Lüften ist auch so ein Bereich, in dem die Vorstellungen von Abend- und Morgenland auseinanderfallen: „Im Winter drehen die Leute die Heizungen voll auf. Ist ihnen zu warm, öffnen sie die Fenster“, sagt Samad. So mancher Kronshagener hat sich über diese Energieverschwendung aufgeregt. Beim Licht ist es ganz ähnlich. „Strom und Energie sind in diesen Ländern billig. Lampen brennen 24 Stunden am Tag, denn meist wird dafür nur eine Pauschale bezahlt“, weiß Samad. Er spricht die Bewohner gezielt an und hängt Hinweise in den Räumen aus. Auch mit deutscher Pünktlichkeit haben Flüchtlinge mitunter Probleme. Samad warnt allerdings vor vorschnellen Urteilen. Oft seien die Menschen mit großen Problemen in der Heimat konfrontiert, wenn Frau und Kinder in umkämpften Gebieten zurückgeblieben seien. Über die moderne Telekommunikation bekommen sie vieles hautnah mit. „Ich habe zu viel im Kopf, ich kann nicht an Sprachkurse denken“, bekommt Samad häufiger zur Antwort.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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