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Der Schulweg war ein Abenteuer

Molfsee Der Schulweg war ein Abenteuer

„Oma, wie war das eigentlich früher?“ Darauf haben die Landfrauen Schleswig-Holstein beim zweiten Erzählnachmittag „Erinnerungen“ am Sonntag, 24. Juli, 14 bis 17 Uhr, im Freilichtmuseum Molfsee viele Antworten parat. In kurzen Beiträgen berichten Frauen aus dem ganzen Land aus ihrer Vergangenheit.

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Traute Leschke (78) hat ihre Erinnerungen auf ein mehreren DIN-A4-Seiten zusammengefasst.

Quelle: Beate König

Molfsee/Wankendorf. Traute Leschkes Lebensgeschichte zeigt die Facette der beruftstätigen Frau aus der Stadt, die auf dem Land groß geworden ist. Im Erzählerinnensessel, der zum zweiten Mal in der Diele des Hauses Schmielau für Frauen aus Schleswig-Holstein aufgestellt wird, berichtet sie zwar vom brennenden Kiel – „Ich habe die Stadt nur so in Erinnerung. Das war für mich normal.“ – ihre optimistische Grundeinstellung lebt jedoch in jedem Satz: „Wir hatten Glück.“

 Abstecher zur Kindheit in Kiel, zu dem Haus am Flemhuder See, das ihr Vater selbst baute, und zum Raiffeisengelände in Wankendorf, wo die 78-jährige viele Jahre in einer Dienstwohung lebte, zeigen in ihrem Vortrag, wie weit ihr Blick in die Region reicht. So ausführlich, wie in den zwei Büchern, die sie über ihre Kindheit und ihr Leben geschrieben hat, will Traute Leschke jedoch nicht werden. Schlaglichtartig erzählt die 78-Jährige vom Seegrundstück, auf dem ihr Vater mit dunklem Karbolineum haltbar gemachte Bohlen zu Wänden aufschichtete. „Das Material hatte er organisiert“. Die Bauzeichnung hatte der Schreiner, der bis 1945 bei der Germania-Werft gearbeitet hatte, im Kopf. „Eine ganze Siedlung entstand da.“ Heute ist vom Idyll am See nichts mehr übrig. Das Haus wurde jedoch nicht zerstört, sondern Bohle für Bohle ab- bei Kronshagen wieder aufgebaut.

 Auch der Schulweg nach Achterwehr ist aus heutiger Sicht ein Abenteuer für sich. „Wir fuhren mit dem Boot über den See und setzten mit einem Floß über die Eider.“

 Damit die Erinnerungen so straff bleiben, dass viele Landfrauen zu Wort kommen können, hat Traute Leschke für den Erzählnachmittag ein kurzes Skript vorbereitet. Gerade vier DIN-A4-Seiten lang ist ihr Text. „Das Vorlesen dauert zehn Minuten“, hat sie, ganz Organisations-Profi, bereits überprüft. Jahrzehntelang arbeitete sie als Chefsekretärin bei Stock Guss Maschinentechnik in Neumünster und managte 49 Jahre parallel dazu als Vorsitzende den Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes in Wankendorf. „Ich hatte immer ein gutes Zeitmanagement.“

 Worauf sich die Wankendorferin besonders freut, ist ein Wiedersehen mit alten Werken: Als ihre Kinder klein waren, schrieb sie für das Bauernblatt und für die Landfrauen-Zeitung Artikel. „Ich konnte nicht zu Hause nichts tun.“ Ihre Texte sind komplett im Archiv der Landfrauen erhalten, das im Museum beheimatet ist.

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