23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Es dröhnen die Motoren

Molfsee Es dröhnen die Motoren

Für die Sammler historischer Traktoren ist es wie Musik, das satte Bullern der Glühkopfmotoren von Lanz. Am Sonntag war es im Freilichtmuseum in Molfsee zu hören. Gut 70 Traktorenbesitzer – darunter neben Lanz auch viele andere Marken von Porsche über Deutz bis zu Ford – präsentierten ihre Oldtimer. Trotz Regens fanden noch viele Besucher den Weg ins Freilichtmuseum, um die alte Technik zu bestaunen und dem Traktorenkonzert zu lauschen.

Voriger Artikel
Bücherbus-Ausstieg sorgt für Zündstoff
Nächster Artikel
Seeadler stoppt die Windkraft

Gut 70 Traktorenbesitzer zeigten ihre alten Maschinen, neben Lanz auch viele andere Marken von Porsche und Deutz.

Quelle: Sven Janssen

Molfsee. Das eröffnete Dietrich Jankowsky mit einem Paukenschlag. Sein schwedischer Standmotor war gut zwei Jahre nicht gelaufen. Das drei Tonnen schwere Ungetüm startete erst nach mehreren Anläufen mit viel Qualm, einem mächtigen Rums und einigen bockigen Sprüngen. Mit der Heizlampe musste zuerst der Glühkopf auf bis zu 600 Grad – soviel Temperatur braucht das Öl, um zu zünden – aufgeheizt werden. Mit Muskelkraft brachte der Rodenbeker das Schwungrad des Motors mit unglaublichen 19,5 Litern Hubraum in Bewegung. Besonders imposant: Die Kühlung des Sägewerksmotors erfolgt über Wasser, das außerhalb über diverse Bleche in einen Bottich geleitet wird, um wieder abzukühlen. Für den Kreislauf sorgte eine einfache Wasserpumpe. 25 PS bei 325 Umdrehungen pro Minute schafft der Schwede, der ein reiner Allesfresser ist. „Ob Butter, Altöl, Diesel oder Rapsöl, der Motor läuft mit allem“, erklärte Jankowsky, das habe er gemeinsam mit den Lanz Bulldogs.

 So einen, genauer gesagt einen D1506 von 1938, fährt auch Michael Bollweg, Vorsitzender des Lanz Bulldog Clubs Holstein, der seit über 30 Jahren die Treffen organisiert. Seinen Ackerluftbulldog, der aus Frankreich stammt, hat der 50-Jährige selbst restauriert. „Damit mache ich auch längere Fahrten“, erzählte er. Fünfmal Leipzig, einmal nach Stuttgart habe das Gefährt schon hinter sich. „Mit 32 km/h Spitze dauert die Fahrt zu den Schwaben drei Tage.“ Der Begeisterung für seinen Einzylinder, den er nach dem händischen Vorglühen mit dem Lenkrad als Kurbel starten muss, tut das keinen Abbruch.

Hier sehen Sie Bilder vom Lanz-Bulldog-Treffen in Molfsee.

Zur Bildergalerie

 Ersatzteile für Lanz sind heute rar und gesucht. „Als Deutz damals in den deutschen Markt drängte, haben sie eine Abschlachtprämie für alte Lanz bezahlt“, erzählte ein Sammler. Der seien viele Einzylinder zum Opfer gefallen.

 „Ursprünglich hat Lanz in Mannheim Dampfmaschinen gebaut“, erklärte Bollweg. Seit 1921 kamen dann auch die Schlepper mit dem Glühkopfmotor dazu. „Das waren eigentlich nur Motoren auf Rädern, die dazu da waren, Maschinen anzutreiben.“ Für den Acker hätten sie nicht getaugt. Den Durchbruch hätte Lanz erst mit der zweiten Generation ab 1926 geschafft, als man den Bau von Dampfmaschinen aufgab und sich allein auf die Schlepper konzentriert hätte.

 Dass es seit 15 Jahren erstmals wieder beim Lanz Bulldog Treffen regnete, störte den Organisator nicht. „Es sind zwar weniger Besucher da, aber so bleibt uns mehr Zeit, miteinander zu schnacken.“ Zeit, die die Einzylinderenthusiasten nutzten, um untereinander wertvolle Tipps auszutauschen und so die alte Technik zu erhalten, die so herrlich satt bullert.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Events: Rendsburg

Veranstaltungen in
Rendsburg. Aktuelle
Termine, News, Infos

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Rendsburg 2/3