27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
"Als wenn er in den Krieg ziehen wollte"

Lebenslang für Finanzamt-Todesschützen "Als wenn er in den Krieg ziehen wollte"

Der Fockbeker Steuerberater Olaf L. ist wegen heimtückischen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der 55-Jährige hat laut Urteil „wohlüberlegt, gezielt und konsequent“ gehandelt, als er am 1. September 2014 nach jahrelangem Kleinkrieg mit dem Finanzamt bewaffnet in die Behörde eindrang und den Sachbereichsleiter Wolfgang B. (57) mit drei Pistolenschüssen tötete.

Voriger Artikel
Vergleich mit Geschäftsführer
Nächster Artikel
Die Tat eines Selbstsüchtigen

Er nahm das Urteil mit Fassung entgegen: Olaf L. ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Quelle: dpa/Georg Wendt

Kiel/Rendsburg. Die Schwurgerichtskammer sei überzeugt, dass der seit 2010 zunehmend von Krankheiten und Gebrechen gezeichnete Rollstuhlfahrer zur Tatzeit voll schuldfähig war, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann in der anderthalbstündigen Urteilsbegründung am Kieler Landgericht. Der angebliche „Medikamentenrausch“ durch bis zu 27 Tabletten, unter deren Einfluss der Todesschütze gehandelt haben will, sei völlig unglaubhaft.

Während der Beweisaufnahme hatte eine medizinische Gutachterin in einer Blutprobe des im Kern geständigen Angeklagten nur Wirkstoffe „im normalen therapeutischen Bereich“ festgestellt. Keine Auswirkungen auf die Schuldfähigkeit hatte laut Urteil auch die hoch auffällige Persönlichkeit des nicht vorbestraften Täters. Die zeige zwar deutliche narzisstische und paranoide Anteile, habe jedoch keinen Krankheitswert im Sinne einer Strafmilderung.

Dieser Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen waren zuvor auch der Staatsanwalt und die Nebenklage gefolgt. Beide forderten lebenslange Haft wegen Mordes. Nur die Verteidigung plädiert auf Totschlag und eine zeitlich begrenzte Freiheitsstrafe. Begründung: Keiner wisse, was sich unmittelbar vor den tödlichen Schüssen im Dienstzimmer des leitenden Finanzbeamten abgespielt habe.

Die Strafkammer hatte aber „keinen Zweifel daran, dass Olaf L. sein Opfer in hilfloser Lage überraschte“. Dass B. nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit dem streitbaren Steuerberater selbst ein „Klimagespräch“ anbot, habe dem Täter die Tür zum Dienstzimmer geöffnet. „Wollen sie zu mir?“, fragte B. den ihm bis dahin nicht persönlich bekannten Rollstuhlfahrer, der im Flur auf ihn wartete. Mitarbeiter bezeugten eine freundliche Begrüßung. Ihr Chef habe L. in sein Dienstzimmer gebeten. Hinter geschlossener Tür saß der Beamte „in der Falle“, so Richter Brommann. Olaf L. habe bewusst die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers ausgenutzt, mit Hilfe der Pistole jede Flucht oder Gegenwehr unmöglich gemacht. Der um seine wirtschaftliche Existenz bangende Steuerberater, so das Urteil, sei mit scharf geladener Beretta und zehn Ersatzpatronen in der Hemdtasche zum Tatort gerollt, „als ob er in den Krieg ziehen wollte“.

Kai Tellkamp, Vize-Vorsitzender des Beamtenbundes (dbb) Schleswig-Holstein, sprach von einem „guten und folgerichtigen“ Urteil: „Es ist deutlich geworden, dass der Rechtsstaat auf exorbitante Gewalt gegen Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes sachgerecht und angemessen reagiert.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

KSV-Liveticker!

KSV-Spielstand online
verfolgen, mit dem
KN-KSV-Liveticker

Anzeige
Mehr zum Artikel
Kommentar

Das Urteil in einem der spektakulärsten Strafverfahren der letzten Jahre in Schleswig-Holstein ist gesprochen: Die tödlichen Schüsse des Steuerberaters Olaf L. auf einen leitenden Finanzbeamten waren „Ausdruck absoluten Vernichtungswillens“. Heimtückischer Mord. Die gesetzlich zwingende Folge ist eine lebenslange Freiheitsstrafe. Für die Strafjustiz ist der Fall damit aufgearbeitet. Aber noch lange nicht für das betroffene Finanzamt, auch nicht für alle Einrichtungen mit Bürgerkontakt und Konfliktpotenzial.

mehr