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Leuchtturm Bülk ist 150 Jahre alt Massenmagnet mit Weitblick

Da steht er wie ein Fels in der Brandung, doch höchstens fliegende Gischt kann ihn berühren: der Leuchtturm Bülk in Strande, der genau 150 Jahre alt ist.

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Der Bülker Leuchtturm ist 150 Jahre alt. Seit einigen Jahren darf er besichtigt werden - und das wird reichlich genutzt. Selbst Strander klettern immer wieder die 98 Stufen hoch, um den Blick auf die Eckernförder Bucht und die Kieler Förde zu genießen. Petra Amelow (Foto) bewohnt das alte Leuchtturmwärterhaus und mit ihrem Pavillon wesentlich daszu beigetragen, dass er sich zu einer Attraktion entwickelt hat.

Quelle: Cornelia C. Müller

Strande. Wer die 98 Stufen auf das älteste Leuchtfeuer an der Kieler Förde erklimmt, hat von der Plattform einen grandiosen Blick auf den Dänischen Wohld, die Kieler Förde, die Eckernförder Bucht, sogar bis zu den dänischen Inseln.

 Unten im alten Leuchtturmwärterhaus wohnt Ehepaar Amelow. Ihnen gehört der Leuchtturmpavillon anbei, der ganzjährig Café, Bistro, Veranstaltungsort ist. Und Petra Amelow lässt all die Turmbesucher ein, die die Wendeltreppe zur Plattform erklimmen. „Aber ich bin keine Leuchtturmwärterin“, sagt sie lachend. „Obwohl ich als Kind davon geträumt habe. Das Leuchtfeuer Pagensand in der Elbe, das mein Opa immer mit mir besuchte, war schuld.“ Als sie vor 20 Jahren in das zu vermietende Leuchtturmwärterhaus Bülk einziehen durfte, weil ihr damaliger Ehemann bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) war, wurde der Traum in gewisser Weise wahr. Die WSV ist Herrin aller Leuchttürme.

 Dass jeder den Turm besichtigen darf, ist auch ihr zu verdanken. „Nachdem wir eingezogen waren, klingelten bei uns ständig Spaziergänger und fragten, ob sie auf den Turm dürften. Das war aber verboten. Ich begann damit, Kuchen zu backen und Kaffee auszuschenken, damit die Enttäuschung nicht so groß ist. Der frühere Strander Bürgermeister Ernst-August Petersen legte sich darauf ins Zeug, damit die WSV Turmbesichtigungen gestattet. Sein Nachfolger Udo Lüsebrink konnte das auf den Weg bringen. Ich durfte einen Kiosk aufbauen, aus dem vor neun Jahren der Pavillon wurde.“ Nebenbei arbeitet Petra Amelow für die WSV: Sie gibt die Wind-, Wasserstands- und Eismeldungen durch.

 Für Besucher ist der schwarz-weiße 25,6 Meter hohe Turm auf der Bülker Huk begehrtes Fotomotiv und Aussichtspunkt. Errichtet wurde das Bauwerk aber als lebensrettendes Leitfeuer für Schiffe. Oft waren bei aufgewühlter See oder Nebel Segelschiffe vor Bülk gestrandet, denn die Landnase von Bülk erstreckt sich unter Wasser weiter – mit Wassertiefen von teils nur einem Meter. Außerdem befindet sich nördlich davon die ausgedehnte Untiefe Stollergrund.

 Schon 1807 war auf der Huk ein Lotsen- und Leuchthaus erbaut worden. Sechs Lampen mit Hohlspiegeln sollten ihren rettenden Schein aufs Wasser werfen. In Betrieb gingen sie erst 1815 nach Kriegsende, denn der Dänische Wohld gehörte zum Dänischen Gesamtstaat, der in den Napoleonischen Krieg verwickelt war. 1834 vernichtete ein Blitz das Leuchtfeuer. Es wurde durch einen 16 Meter hohen Turm mit Drehlinsenfeuer ersetzt. Das aber erfüllte bald nicht mehr die Anforderungen. Der Bau des heutigen Turms begann. Diesmal forderte der deutsch-dänische Krieg einen Baustopp. 1865 stellten die Preußen das große Leitfeuer mit Gürtellinse fertig. Auch das reichte nicht mehr für den zunehmenden Schiffsverkehr. 1892 legte man deshalb noch ein Feuerschiff vor der Förde aus.

 Heute steht dort mitten im Wasser das große Seefeuer, der Leuchtturm Kiel. Bülk ist seit 1969/70 ein Orientierungsfeuer und dient der Navigation im unmittelbaren Küstenbereich. Seitdem wird die Laterne von der Verkehrszentrale Travemünde ferngesteuert.

 Dafür, dass der Turm heute auch ohne die drei Leuchtturmwärter belebter ist denn je, sorgen 6000 Besucher im Jahr. Mitte August werden es mit Sicherheit noch viel mehr sein. Dann will Petra Amelow das Jubiläum groß feiern.

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Ein Artikel von
Cornelia Müller
Eckernförder Nachrichten

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