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Lieber Trecker als Büro

Traumberuf Landwirtin Lieber Trecker als Büro

Ihren Traumberuf entdeckte Lisa Bornhöft (21) auf dem Bauernhof eines Landjugendfreundes: Landwirtin. Und eine Ausnahmeerscheinung in einer Männerdomäne ist die Abiturientin längst nicht mehr. Sieben von 21 Mitschülern in ihrer Klasse am Berufsbildungszentrum in Rendsburg sind Frauen.

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Nach dem Abi in die Ausbildung zur Landwirtin mit Perspektive zum Studium: Lisa Börnhöft (21) kam über die Landjugend zum Traumberuf.

Quelle: Beate König

Böhnhusen/Klein Barkau. „Verwöhntes Püppchen“ – diese Einschätzung sammelte ein Feuerwehrkamerad von Lisa Bornhöft nach dem ersten Dienstabend schnell wieder ein. Die 21-Jährige rollte zwar in Papas Mercedes auf den Hof der Feuerwehr Böhnhusen, packte jedoch so selbstverständlich und unerschrocken mit an, dass man sie respektiert. Genau so sicher entschied sich ihr Weg in die Ausbildung zum Traumberuf Landwirtin.

 Eine Ausnahmeerscheinung in einer Männerdomäne ist die angehende Landwirtin allerdings nicht mehr. Sieben von 21 Mitschülern in ihrer Klasse am Berufsbildungszentrum in Rendsburg sind Frauen. Seit fünf bis zehn Jahren steige die Anzahl der Mädchen in den Klassen, sagt Eckhard Rimkus von der Landwirtschaftskammer. Ein Trend, den er darauf zurückführt, dass inzwischen auch Jugendliche ohne elterlichen Betrieb die Landwirtschaft als Ausbildungszweig entdecken. Vermutung von Isa-Marie Kuhn, Pressesprecherin der Landwirtschaftskammer: Maschinen, die inzwischen im Stall und auf dem Acker die körperliche Arbeiten erleichtern, machen den Beruf für Mädchen attraktiver.

 „Nach der Hauptschule wusste ich nicht, was ich machen sollte“, erinnert sich Lisa Bornhöft. Statt durchzuhängen, lernte sie erst einmal weiter, sattelte dank exzellenter Abschlussnoten an der Realschule noch ein Abitur drauf, denkt jetzt über ein Studium nach. Von Zuhause bekam sie volle Rückendeckung. „Mach’, was für dich gut ist. Ich halt’ Dich nicht auf“, sagte ihr Vater.

 Ein Praktikum mit der für die Turnierreiterin zunächst ernüchternden Erkenntnis „Pferdewirtin ist nicht mein Traumberuf “ wandelte sie zur Chance um. Beim Trecker fahren und Mais häckseln auf dem Hof eines Landjugendfreundes entdeckte sie den Beruf, von dem sie mit leuchtenden Augen erzählt. Schon vor der Lehre verdiente sie sich als Melkhelferin Geld dazu, „fürs Auto fahren“. Die Ausbildungsphasen in Betrieben in Blumenthal und in Brügge bestätigten sie in ihrem Entschluss: Um halb sechs in der Früh in den Stall, im Sommer mit dem Trecker aufs Feld, acht Stunden täglich nicht im Büro sitzen, sondern körperlich arbeiten, ist für sie genau das Richtige.

 Was nach dem Abschlusszeugnis kommt? „Ich habe viele Optionen. Man ist als Landwirt ja eigentlich auch Techniker, Schlosser, Naturforscher und Betriebswirtschaftskenner.“ Ein halbes Jahr nach Australien, um dort Milchviehwirtschaft und Ackerbau im Großformat kennen zu lernen, ist eine Option. Dann kann die Meisterschule oder ein Studium folgen. Ob sie Herdenmanager wird oder Verwalter auf einem Ackerbaubetrieb, im Labor, bei der Landwirtschaftskammer, beim Lohnunternehmer oder auf dem Nachbarhof arbeitet, weiß sie noch nicht. „Das ist noch lange hin.“

 Sicher ist die 21-Jährige mit den klaren Ansichten aber, dass sie das Landleben liebt. Braucht sie Stadtluft, bleibt die Mistforke abends im Stall. Kiel ist im Auto sieben Minuten entfernt, Hamburg im Zug eine Stunde. Nah genug, um auf Ballnächten ein zartes Chiffonkleid und zwölf Zentimeter hohe Stöckelschuhe auszuführen. „Das kann ich auch.“

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