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Als Urlauberin eine Institution

50 Jahre in Strande Als Urlauberin eine Institution

Top oder Flop? Für Margarete Winter (81) aus Berlin gibt’s darauf in Strande nur eine Antwort: „Top von A bis Z!“ Sie liebt ihren Urlaubsort so sehr, dass sie seit 50 Jahren den Sommer hier verbringt. Dafür hat die Gemeinde sie jetzt ausgezeichnet – mit der lebenslangen Strandkarte.

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Der Surfkiosk von Elisabeth Hansen ist lebendiger Treffpunkt für Wassersportler und Ausflügler. Für Margarete Winter ist die Institution ein Stück Heimat.

Quelle: Cornelia Müller

Strande. Überraschung im Strandhotel am Sonntagabend: Elisabeth Hansen, die mit ihrem seit 45 Jahren bestehenden Surfkiosk eine Institution für alle Surfer weit und breit ist, hat ein festliches Essen für Margarete Winter, die wiederum eine Institution für alle Alt-Strander ist, arrangiert. Winter ist ihr zahlender Sommergast. Nicht irgendeiner. Längst verbindet die Frauen auch eine unzertrennliche Freundschaft. Dass die Berlinerin, die 1965 mit ihrem Mann Heinz erstmals ins Ostseebad reiste, manchmal sogar Monate hier verbracht hat, hat Hansen heimlich Bürgermeister Holger Klink (CDU) und Touristikchef Heiko Drescher gesteckt. Die rücken jetzt mit Blumengebinde in Strande-Farben und einer Urkunde an, die ab sofort freien Eintritt zum weißen Sandstrand bedeutet. Die Berlinerin ist sprachlos.

 Am nächsten Morgen, beim Kaffee am Kiosk mit Meerblick, lässt Winter lächelnd fünf Jahrzehnte Revue passieren. „Weil meine Schwester herfuhr, wollten Heinz und ich auch Strande kennenlernen“, erzählt sie. „Wir machten zufällig Quartier bei Tina Baumeister, der Mutter von Elisabeth.“ Elisabeth war damals 17 Jahre alt, Margarete Winter war 31. Das Berliner Paar verliebte sich spontan in das damals noch viel ruhigere Ostseebad und die kleine Pension der Baumeisters in der Dorfstraße. „Unser Schicksal war damit besiegelt“, sagen die beiden Frauen lachend. Als Tina Baumeister starb, „warst du für mich Mutterersatz“, macht Elisabeth Hansen ihr ein anrührendes Kompliment. Inzwischen hat Margarete sogar ihren „Chauffeur“ in Strande: Georg Hansen, der öfter nach Polen fährt, holt sie in Berlin ab und kutschiert sie auch in Strande und Umgebung gern umher. „So ist das bei uns, wenn Gäste erst zum Inventar gehören“, meint er verschmitzt.

 47 Kieler Wochen – „die meisten waren verregnet“ –, Strande im regenreichen Winter bei knuspriger Ente aus Baumeisters Backofen, den Olympiaboom 1972 in Kiel-Schilksee, den Bau der ersten Strander Promenade, mehrere Bürgermeister erlebten das Berliner Paar gemeinsam. Sie trauerten mit den Strandern, wenn es Grund dazu gab, feierten mit ihnen freudige Anlässe. „Das war immer wie ein zweites Leben mit Wunderschönem und Tragischem, durch das sich auch unsere vielen zweisamen Tage am Strand unter der Steilküste von Bülk ziehen.“ Vor drei Jahren starb Heinz „Ikke“ Winter in einem dieser Urlaube unerwartet. „Die viele Freunde hier waren meine große Stütze. Es stand felsenfest, dass ich auch weiterhin als Sommergast hier sein werde“, schließt Winter und blinzelt versonnen aufs Meer. „Die Strander sind mir Familie und zweite Heimat. Den Bau der neuen Promenade habe ich schon mitverfolgen können. Das zweite Olympia in Schilksee möchte ich auch mit ihnen erleben.“

 Bleibt nur eine Frage zum Schluss: Hätte sich da nicht eine eigene Ferienwohnung gelohnt? „Nein. Dann wären wir uns nie so vertraut geworden.“

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Cornelia Müller
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