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Mit Herzenswärme gegen Armut

Osdorf Mit Herzenswärme gegen Armut

Sie aß Meerschweinchen, feierte Karneval, kam den Taranteln im Regenwald ganz nah und lernte die Gelassenheit der Kolumbianer kennen: Marina Wolf aus Osdorf erfüllte sich nach dem Abitur einen Traum, verbrachte sieben Monate in Südamerika.

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Auf dem Machu Picchu genoss Marina Wolf den sagenhaften Blick. Die Osdorferin schwärmt nicht nur von der überwältigenden Natur in Südamerika, sondern auch von der Herzlichkeit der Menschen.

Quelle: Marina Wolf

Osdorf. Ein halbes Jahr lang arbeitete die 20-Jährige in einem Dorf bei Sincelejo an der Karibikküste für die „Fundación Calle Fría“, wobei es sich um einen Verein handelt, der Kinder betreut sowie mit Schulmaterial und Essen versorgt. Im Anschluss reiste die junge Frau noch durch Südamerika – allein. „Vor meiner Ankunft hätte ich mir das nicht zugetraut“, betont Marina Wolf.

Kein Wunder. Gerade Kolumbien gilt als heißes Pflaster. So warnt das Auswärtige Amt vor Entführungen, Sprengstoffanschlägen und der Gefahr, dass Touristen gegen ihren Willen und in Unkenntnis als Drogenschmuggler missbraucht werden. Doch Marina Wolf kehrte wohlbehalten zurück – mit größerem Erfahrungsschatz und gewachsenem Selbstbewusstsein. „Ich wollte nicht gleich mit dem Studium beginnen, sondern erst einmal weg, etwas anderes kennenlernen“, denkt Marina Wolf aus dem Ortsteil Borghorsterhütten zurück. Von einer Freundin erfuhr sie von besagtem Betreuungsprojekt, das ihren Angaben zufolge ein Ehepaar leitet. Es finanziere sich durch Spenden aus Deutschland. Sie wohnte bei dem Ehepaar in einer Finca. Eigentlich wollte sie nur vier Monate bleiben, dann stornierte sie den Rückflug und verlängerte ihren Aufenthalt. „Die Menschen sind so herzlich, man kommt sofort mit ihnen ins Gespräch“, schwärmt die Osdorferin, die in der Isarnwohld-Schule drei Jahre lang Spanischunterricht hatte.

Sie bastelte und spielte mit den Kindern in der Nachmittagsbetreuung, ebenso half sie den Jugendlichen bei den Hausaufgaben. Allerdings herrschte in dem Dorf laut ihren Schilderungen große Armut. Bei den Speisungen durch die Fundación wurden längst nicht alle Kinder satt, denkt Marina Wolf traurig zurück. Die Familien lebten in Hütten – ohne fließend Wasser und zumeist ohne Strom. Arbeitslosigkeit, Gewalt und Alkohol prägten den Alltag. „Doch die Menschen strahlen große Herzenswärme aus, sie empfangen einen mit offenen Armen“, erzählt sie. Gastfreundschaft werde groß geschrieben: „Mitunter klingelt es und plötzlich stehen zehn Bekannte unangemeldet vor der Tür.“ Schnell lernte Marina Wolf, sich in Geduld zu üben. Egal, ob in der Bank oder an der Supermarktkasse: „Man steht bis zu zwei Stunden lang Schlange.“ Der Bus komme mitunter gar nicht. Erst schaute sie noch hektisch auf die Uhr, später summte sie – ganz wie die Kolumbianer – ein Lied gegen die Langeweile.

In ihrer Freizeit ging die Osdorferin auf Reisen. Eine Woche verbrachte sie in Medellín, einst berüchtigt als Hochburg der Drogenmafia. Marina Wolf fühlte sich in der Universitätsstadt sicher. Mulmig war ihr, als sie in Peru mit fünf fremden Männern in einem Sammeltaxi saß und der Fahrer plötzlich in eine Garage fuhr. „Ich sprang aus dem Taxis und lief weg“, erzählt sie. Die Freude am Reisen verging ihr nicht. Im Nationalpark Tayrona übernachtete sie im Zelt: „Der Strand ist weiß, das Meer türkisblau.“ Im Dschungel sah sie Affen und Schlangen. Taranteln liefen ihr am Amazonas über den Weg, wo sie eine Woche im Regenwald verbrachte. Und beim Karneval gefielen ihr schrille Kostüme und laute Musik.

Seit drei Wochen ist Marina Wolf nun zuhause. Ab Herbst möchte sie Spanisch, Biologie und Philosophie auf Lehramt studieren. Geht’s zurück nach Südamerika? „Definitiv“, sagt sie, „vielleicht absolviere ich ja ein Auslandssemester.“

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