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Therapiehund im Kindergarten

Melsdorf Therapiehund im Kindergarten

Im Kindergarten Melsdorf geht man neue Wege. Nicht nur die Erzieher kümmern sich um die Kinder, auch ein Hund gehört zum Team. Mischling Alex ist vor knapp zwei Jahren aus Spanien gekommen und absolviert mit Kindergartenleiterin und Halterin Anke Schilk eine Ausbildung zum Therapiebegleithund.

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Auch Kuscheln ist wichtig. Hund Alex genießt die Streicheleinheiten von Emily.

Quelle: Sven Janssen

Melsdorf. „Alex, würfel“, das lässt sich der Mischling nicht zweimal sagen und stuppst mit der Pfote den roten Schaumstoffwürfel durchs Zimmer. Die Kindergartenkinder Emily, Elin, Joana, Bruno und Leon schauen gespannt zu. Eine Sechs zeigt der Würfel und genauso viele Leckerlis zählen die fünf Kinder aus der Box ab. „Die verstecken wir jetzt, und Alex muss sie suchen“, erklärt Bruno. Als Alex losstürmt, sind die Kinder ganz still. Jeder Fund wird von einem genussvollen Knabbern begleitet und von den Kindern mitgezählt.

 „Das ist nur eine Art, wie man einen Hund im Kindergarten sinnvoll einsetzen kann“, erklärt Schilk. Die Idee dazu hatte sie schon lange. „Mit Alex habe ich nun auch die Möglichkeit.“ Einfach waren die Anfänge nicht. „Einen Therapiehund im Kindergarten, das gibt es meines Wissens in ganz Schleswig-Holstein nicht, entsprechend viel musste organisiert werden.“ Alex musste zum Wesenstest, brauchte Genehmigungen vom Veterinär- und Jugendamt, die Zustimmung der Gemeindeunfallkasse, eine Versicherung für Arbeitshunde, die Zustimmung der Gemeinde, des Kindergartenteams und natürlich auch der Eltern.

 „Das war ganz schön kompliziert und hat einige Monate gedauert“, erzählt Schilk. Und dann sollte die Arbeit erst beginnen. Der junge Spanier und auch seine Halterin brauchten eine Ausbildung und besuchen nun, seit die Genehmigungen vorliegen, die Akademie für tiergestützte Therapie in Kiel, im Juli treten die Zwei zur Prüfung an.

 Mit dem Hund könne man bei den Kindern viel erreichen, so Schilk. „Unsere Löwenbande, die sonst ihrem Namen alle Ehre macht, wird mit Hund zur leisen und achtsamen Gruppe.“ Die Kinder würden sich auf Alex konzentrieren und dabei auch zu sich selbst finden. Mal ist der Vierbeiner Turngerät, dient als Kopfkissen zum Kuscheln, fördert die Wahrnehmung, hilft zu motivieren, zeigt, wie man aufräumt und vieles mehr. All das lernt Alex gerade.

 Eine goldene Regel gibt es: Alex darf nicht in die Gruppenräume. „Die Kinder kommen zu ihm, es muss den Eltern ja freigestellt sein, ob sie die Begegnung mit dem Hund erlauben“, erklärt Schilk, auch Allergiker müssten geschützt werden. Je mehr die Eltern das Miteinander kennenlernen, desto mehr wächst die Akzeptanz im Kindergarten. „Derzeit sind 55 von 65 Kindern dabei, das ist einfach toll.“

 Finanziert wird Alex alleine von Schilk. „Das ist mir wichtig, denn ich möchte unabhängig bleiben.“ Die Gemeinde erlaubt das Halten im Büro. „Wir freuen uns über die tollen Möglichkeiten, die Alex uns hier bietet“, sagt Bürgermeisterin Anke Szodruch, die auch gern selbst mal auf den kleinen Racker aufpasst, wenn Schilk verhindert ist.

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