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Busse machen Bogen um Bahnhöfe

Melsdorf/Bredenbek Busse machen Bogen um Bahnhöfe

Melsdorf und Bredenbek warten noch immer auf den Anschluss ihrer Haltepunkte an den öffentlichen Nahverkehr. Dabei gibt es seit einem Jahr fünf neue Haltepunkte auf der Bahnstrecke Kiel-Rendsburg. Aber die Busanbindung der Bahnhöfe ist schlecht. So steigen die Fahrgastzahlen nicht.

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Nur im vergangenen Sommer, als die Dorfstraße asphaltiert wurde, bot sich in Melsdorf dieses Bild: Ein KVG-Bus machte an der Bahnstation halt.

Quelle: Torsten Müller

Melsdorf/Bredenbek. Mit großer Begeisterung wurden vor einem Jahr auf der Bahnstrecke Kiel-Rendsburg fünf neue Haltepunkte in Betrieb genommen. Doch wie kommen die Fahrgäste, die nicht in unmittelbarer Nähe der Stationen wohnen, dorthin oder wieder weg? Die Busanbindung lässt zum Teil noch zu wünschen übrig.

 Beispiel Melsdorf: Die Gemeinde freute sich, nach mehr als 30 Jahren wieder Anschluss ans Schienennetz zu erhalten. Sie ließ das Bahnhofsumfeld gestalten, legte 32 Park&Ride-Plätze sowie eine große Buskehre an und errichtete für das Buspersonal ein Toilettenhaus. Für die Gesamtkosten von 533000 Euro erhielt Melsdorf einen Zuschuss von 242000 Euro. Doch wo ist der Bus? „Wir warten immer noch drauf“, sagt Bürgermeisterin Anke Szodruch (CDU).

 Keine der KVG-Linien 91, 100 und 101 hält nach einem Jahr in der Bahnhofsstraße – die Endstation liegt weiterhin etwa 300 Meter entfernt am Dorfplatz. Nur im vergangenen August gab es schon mal einen Vorgeschmack auf eine mögliche Zukunft: Weil die Dorfstraße asphaltiert wurde, fuhren die Linienbusse bis zum Bahnhof. Die Bürgermeisterin hofft, dass das bis 2017 die Regel ist. Dann soll das gemeinsam mit der Stadt Kiel geplante Interkommunalen Gewerbegebiet Rotenhof erschlossen sein. Mitarbeiter könnten dann bequem auch die Bahn nutzen.

 Die KVG kann noch kein konkretes Datum für eine Anbindung nennen. Sprecherin Andrea Kobarg weist auf Schwierigkeiten hin, die neue Haltestelle in den bestehenden Fahrplan zu integrieren, ohne Nachteile für Kieler Fahrgäste zu produzieren. Zudem passten Bus- und Bahnankünfte nicht zueinander. „Die Bahnabfahrtzeiten bekommen die Busunternehmen vorgesetzt“, sagte sie. Zunächst müssten die Verkehrsströme im Bereich Amt Achterwehr untersucht werden. Sie versicherte: Bei der sowieso anstehenden Umplanung von Kieler Linien werde Melsdorf so gut wie möglich mit bedacht. Der KVG sei daran gelegen, den ÖPNV attraktiver zu machen.

 Auch Bredenbek wartet auf den Busanschluss. Die zwischen Rendsburg und Kiel pendelnde Autokraft-Linie 4630 bedient aber nur Haltestellen im Ort, nicht den am Ortsrand gelegenen Bahnhof. Damit Autos und Busse die Station erreichen können, finanzierte Bredenbek gemeinsam mit Bovenau eine Zufahrt durch das interkommunale Gewerbegebiet.

 Die Autokraft wollte sich auf Nachfrage dieser Zeitung nicht äußern. Eine Sprecherin verwies auf den Kreis Rendsburg-Eckernförde. Dieser entscheide letztendlich über gefahrene Busleitungen. „Das Thema ist im Prozess. Wir sind mit der Autokraft im Kontakt“, versicherte Martin Kruse, Fachbereichsleiter Regionalentwicklung beim Kreis. Nach Angaben von Mitarbeiter Malte Nevermann wurde der Busverkehr bei der Neueröffnung der Haltepunkte nicht verändert, weil man zunächst die Entwicklung der Fahrgastpotenziale abwarten wollte. Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 soll der gesamte Korridor zwischen Kiel und Rendsburg zusammen mit Autokraft, Ämtern, Gemeinden und Schulen neu überplant werden. Gespräche sollen im April beginnen. Angedacht ist, die Autokraft-Linie 4630 zu teilen und sowohl von Rendsburg als auch Kiel zum Bahnhof Bredenbek zu führen.

 Die Fahrgastzahlen könnten besser sein:

 Busanbindung macht den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) attraktiver. Das neue Schienengebot braucht noch mehr Nutzer. Die bisherigen Fahrgastzahlen bei der Regionalbahn bleiben nach einem Jahr hinter den Erwartungen zurück. Beim Start 2015 hatte sich Nah.sh, die Gesellschaft des Landes und der Kreise zur Organisation des regionalen Bahnverkehrs, 120 bis 140 tägliche Ein- und Aussteiger pro Station als Ziel gesetzt.

 Die Bilanz für die fünf neuen Haltepunkte auf der Strecke Kiel-Rendsburg ist nach drei Quartalen davon zum Teil weit entfernt: Achterwehr kommt auf etwa 85, Bredenbek auf 100, Kiel-Russee auf 62, Melsdorf auf 92 und Schülldorf auf 117. Mangelnde Fahrgastzahlen waren 1984 der Grund, die Bahnhaltepunkte einzustellen.

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Ein Artikel von
Torsten Müller
Redaktion Holsteiner Zeitung

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