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Jung-Uhu auf Abwegen

Molfsee Jung-Uhu auf Abwegen

Wenn morgens um 9 Uhr die Türen des Freilichtmuseums öffnen, gehört die Kielerin Anke Liman zu den ersten Besuchern. Zielgerichtet steuert sie die Gulfscheune an – dort beobachtet sie seit dem 11. April die Brut der dort nistenden Uhus.

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Michael Hildebrandt, im Freilichtmuseum für die Bauunterhaltung und Objektbewirtschaftung zuständig, war als Uhu-Retter unterwegs und musste den vorwitzigen Jungvogel wieder in Richtung Nest bugsieren.

Quelle: Sorka Eixmann

Molfsee. Eigentlich ist Michael Hildebrandt im Museum für Bauunterhaltung und Objektbewirtschaftung zuständig. Doch manchmal ist er auch als Lebensretter im Einsatz: Das älteste der Jungtiere war am Mittwochmorgen offenbar etwas übermütig auf dem First der alten Scheune herumgeklettert, hatte dabei das Gleichgewicht verloren und war das Reetdach heruntergekullert. Hildebrandt hatte es entdeckt und startete ebenfalls eine Klettertour. Mit dem Uhu unterm Arm ging es über eine dreifach verlängerte Leiter wieder in Richtung Giebel. Ungefähr in der Mitte des Daches setzte er den jungen Uhu ab. „Den Rest muss er selber schaffen“, meinte Hildebrandt.

 Als Anke Liman um die Ecke bog und Hildebrandt auf der Leiter sah, waren ihre ersten Worte: „Das hab ich kommen sehen, der war gestern schon so vorwitzig beim Klettern.“ Gemeint war natürlich der kleine Uhu, denn die 73-Jährige kennt die jungen Uhus wie kaum ein anderer. Fast täglich hält sie Ausschau, macht Fotos und protokolliert die Entwicklungen. Auch bei der ersten Rettungsaktion – vor 14 Tagen war ein Jungtier aus dem Nest gefallen und muss per Drehleiter wieder zurückgesetzt werden, daraufhin wurde der schmale Nest mit einem Gitter durch die Feuerwehr Bordesholm (wir berichteten) gesichert – war sie dabei, entsprechende Fotos in einem dicken Ringordner sind die besten Beweise für die Entwicklung der Tiere.

 „Im vergangenen Jahr fing meine Uhu-Verrücktheit an. Das Interesse an den Tieren, gepaart mit der Faszination und dem Hobby Fotografie ließen mich fast täglich ins Museum kommen“, erinnert sich Anke Liman, die früher als MTA gearbeitet hat. Technisch ist sie sehr gut ausgerüstet, mit ihrer Panasonic Lumix machte sie beste Bilder auch auf große Entfernung, ein Nikon-Fernglas erleichtert das Beobachten. Dabei achtet sie natürlich darauf, das erst brütende und inzwischen versorgende Elterntier nicht zu stören: Liman sitzt etwas abseits an einer Hauswand. „Es hat wenig Sinn, direkt am Haus zu stehen und nach oben zu starren, dann kommt das Alttier nicht.“

 Während sie in ihrem Ordner blättert und Fotos von dem „Schnee-Dienstag“ Anfang Mai zeigt, müht sich der junge Uhu auf dem Weg nach oben. Ab und zu rutscht er noch ein Stückchen wieder ab, aber dann hat er es geschafft und kann sich im Nest bei seinen beiden Geschwistern ausruhen. Damit ist eine weitere kleine Episode im Buch von Anke Liman geschrieben – wenn die Bilder ausgedruckt und einsortiert sind.

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Ein Artikel von
Sorka Susann Eixmann
Holsteiner Zeitung

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