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Uhren und Handys sind hier verpönt

Mittelalter Live in Warder Uhren und Handys sind hier verpönt

Im Tierpark Warder fühlten die Besucher sich an diesem Wochenende ins Mittelalter zurückversetzt. Viele hundert Akteure in authentischen Outfits hatten ihre Lager bei "Mittelalter Live" auf den Koppeln aufgeschlagen. Schon am Sonnabend kamen über 1000 Besucher.

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Gänsemarsch im Mittelalter: Tom Bittorf und Lisa Marie Aschenbach treiben die Ungarischen Lockengänse durch die Lager.

Quelle: Sven Janssen

Warder. Überall werden Schwerter und Äxte geschwungen, aber auch der ganz normale mittelalterliche Alltag gelebt.

Über dem Feuer im Zelt des Bordesholmer Vereins „Op de Vogelwiesch“ kocht die Hühnersuppe seit dem Morgen. Das Wurzelgemüse ist geschnitten, Daniela Asmussen schickt das Schiffchen durch den Webstuhl und Käte Kulle verzwirnt am Spinnrad die Wolle, die sie dann später zum Stricken und Weben nimmt. „Mein Wams ist daraus gemacht“, sagt Ehemann Klaus Kulle. Alle versuchen, sich möglichst authentisch zu kleiden. „Für ein Wochenende leben wir hier wie im Mittelalter“, sagt Antje Nietschmann. Uhren und Handys sind vepönt, der Alltag wird abgelegt. „Hier bin ich Wikingerin.“ Es sei die Gemeinschaft die zählt und auch der Spaß am Handwerk, sagt Christel Kropp.

Fotostrecke: Mittelalter live in der Arche Warder

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„Wenn der Morgen graut, dann stehen wir auf. Abends, wenn es dunkel wird, dann sitzen wir noch im Schein des Feuers zusammen“, erklärt Markus Sölter aus Sehestedt. Auch in der Nacht, wenn der Tierpark schon geschlossen ist, bleiben sie dort. Seit 2007 ist seine Sippe „Isarnhoe“, was soviel bedeutet wie Eisenwald, in Warder dabei. Viele Generationen in einem Zelt. „Hier kommt die ganz Familie.“ Auch gekämpft wird wie im Mittelalter. Das Schwertsax oder den Ger, also den Speer, in der Hand gehen die Männer aufeinander los. „Alle Waffen sind stumpf und es gibt Regeln“, sagt Sölter. Choreographien gäbe es nicht, es werde frei gekämpft.

Zwischen Hobby und Spektakel

Das ganze Lager ist so authentisch wie möglich. „Tisch und Bänke werden von Holzkeilen oder selbst geschmiedeten Nägeln zusammengehalten“, erzählt Sölter. Auch seine Schuhe hat er selbst gemacht und den Helm eigenhändig gedengelt.

„Hier gibt es viel zu sehen, das ist richtig interessant“, sagt Martina Petschner, die mit ihrem Sohn Felix am Zaun steht und den Kämpfen zusieht. Auch andere Dinge können die Besucher in den Lagern auf den Koppeln ausprobieren über die auch die Gänse ziehen. Mittelalter Live ist spannend für die Zuschauer, aber vor allem auch ein Hobby mit Erlebnischarakter für die Protagonisten.

Auch mittelalterliche Tiere im Tierpark

Mittelalterliches Leben und Tierpark passt das zusammen? „Sehr gut“, sagt Tierparkpädagogin Stefanie Klingel. Seit 2007 gibt es Mittelalter live in Warder, wo auch viele Rassen noch leben, deren Ursprung auf diese Epoche zurückzuführen ist. „Soll eine alte Kirche abgerissen werden, kommt sofort der Denkmalschutz und schreitet ein, das wünschen wir uns auch für alte Tierrassen“, sagt Klingel. So sei die Idee zu Mittelalter live entstanden, um die Tiere wieder ins Bewusstsein zu holen.

Den Wikingern und anderen Mittelalterdarstellern werden Exmoor-Ponies, Englische Parkrinder, Skudde und andere Tiere zur Seite gestellt, die damals schon als Nutztiere dienten. Das Exmoor-Pony gebe es seit dem 11. Jahrhundert, so Klingel. „Damals ließ Wilhelm der Eroberer den Besitz seiner Untertanen in einem Grundbuch erfassen und dort werden die Pferde des Exmoors erstmals schriftlich erwähnt.“

Ab dem 12. Jahrhundert seien nachweislich halbwilde Parkrinder in den Parks der neu entstandenen Burganlagen gehalten worden, sie dienten dem Adel als Jagdwild. Aus dieser Zeit stamme auch der Name Englisches Parkrind. „Die Skudde, ein kurzschwänziges Heideschaf, geht auf die primitiven Schafe der Wikinger zurück und auch vom Soay-Schaf nimmt man an, dass es bis zum Mittelalter in Europa verbreitet war“, erklärt sie weiter die Historie der Tiere. Aus der anfänglichen Idee ist heute ein regelmäßiges Event geworden, das jährlich Tausende Besucher in den Tierpark lockt.

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