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"Drei Haarspangen kosten zusammen zwei Euro."

Mitternachtströdel "Drei Haarspangen kosten zusammen zwei Euro."

Kurz nach sieben Uhr abends. Auf dem Willy-Brandt-Platz in Rendsburg werden die Parkplätze knapp. Regen, Sturm und Pfützen sind egal. Durchs Dunkel streben am Sonnabend hunderte Schnäppchenjäger entschlossen dem Licht im Foyer des Bullentempels entgegen. Stoßzeit beim Mitternachtströdel in der Nordmarkhalle.

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Bei Alex (links) und Regi Richter gab es zu jedem gekauften Teil noch eine Geschenk dazu. "Wir wollen den Tisch leer bekommen", erzählten die Schwestern aus Kiel.

Quelle: Beate König

Rendsburg. Beim Einfädeln in den Käuferstrom, der sich an den Tischen vorbeischiebt, stellt sich eine Erinnerung ein. Genauso ist es, wenn beim Bettenwechsel der Ferienhausgäste in Dänemark die Autos tausender Touristen Stoßstange an Stoßstange über die A7 rollen. Tipp des Tages: Tempo aufnehmen und reinlenzen.

Gemütlich bummeln, Zeit für einen Rundblick über die Ware? Fehlanzeige. Zügig geht es durch die Gänge zwischen den Verkaufstischen. Ausscheren ist durch einen beherzten Schritt wohl möglich. Überholen? Keine Chance. Die Menge ist dicht, und sie bestimmt das Tempo.

„Es läuft bombastisch“, sagt Hallenmeister Zbigeniew Frick nach der ersten Kassierrunde zufrieden. 2000 Besucher, schätzt der städtische Mitarbeiter, suchen an diesem Abend Second Hand Ware.

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Die 120 Standplätze auf den 600 Quadratmetern im Erdgeschoss und im ersten Stock sind seit 2015 vergeben, bis November 2016 ist die Marktfläche komplett ausgebucht. Fällt ein Stand aus, greift eine Nachrückerliste. Für spontane Verkaufswillige ist in diesem Vergabeverfahren kein Platz, ärgert sich eine Rendsburgerin. „Es wäre gut, wenn man da mal einen Wechsel rein bekommt.“

Die Frühbucher dagegen genießen die Hallen voller Menschen. Alex (38) und Regi Richter (49) werben mit weithin sichtbaren Kopfbedeckungen für sich und ihre Ware. Ihr Motto: Alles muss raus. Acht Euro sind für Inliner Verhandlungsbasis. Verkaufsgespräche mit den gut gelaunten Schwestern laufen mitunter so: „Drei Haarspangen kosten zusammen zwei Euro. Eine einzeln drei Euro.“ Zu jedem gekauften Stück gibt es noch ein Geschenk dazu. „Wir wollen den Tisch leer haben,“ erzählen die Frauen aus Kiel. Alex investiert die Einkünfte aus dem Verkauf der Staubfänger aus den Regalen der heimischem Dachböden und Keller in Bratwurst. Regi Richter steckt Gewinne in die Auswärtskasse. „Ich bin Holstein Kiel Fan.“

In der Viehauktionshalle eine Etage tiefer sind Grundton und Käuferschicht gediegen. Für 85 Euro hat Heike Meyer ihr teuerstes Angebot, ein gerahmtes Seestück in Öl, in der ersten Stunde an den Mann gebracht. Mit Abstand zueinander positioniertes Goldrand-Porzellan und alte Buddelschiffe können auf ihrem Tisch dekorative Wirkung entfalten.

Ähnliches gilt ab acht Uhr abends für potentielle Käufer in den Gängen. „Jetzt kommen nur noch wenige Spaziergänger. Die kaufen nicht“, weiß die erfahrene Verkäuferin. Sie freut sich auf das Beste nach dem Verkauf: Den Schwatz mit den Leuten von nebenan. Der ist ihr genau so viel wert, wie das Bargeld in der Händlerbörse.

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