12 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Molch durchkreuzt Baupläne

Gewerbegebiet in Melsdorf Molch durchkreuzt Baupläne

An Land ist er nicht gut zu Fuß. In einer Stunde schafft ein Kammmolch gerade mal 4,60 Meter. Diese Eigenschaft besiegelt oft sein Schicksal – Autos überfahren ihn. Weil er so gefährdet ist, steht der Kammmolch unter strengem Schutz, und deshalb hat Melsdorf mit dem geplanten interkommunalen Gewerbegebiet ein Problem: Zwölf Kammmolche müssen umgebettet werden – Kosten: 90000 Euro.

Voriger Artikel
Initiatorin Hankel verabschiedet sich
Nächster Artikel
Unerlaubt vom Unfallort entfernt

Der Kammmolch steht unter Naturschutz.

Melsdorf. Das 20 Hektar große Gewerbegebiet am Rotenhofer Weg ist noch in der Planungsphase. Melsdorf und Kiel wollen auf dem Gelände gemeinsam Firmen ansiedeln. Die Lage ist attraktiv, die Nachfrage groß. „Alle Grundstücke sind bereits reserviert“, sagt Melsdorfs Bürgermeisterin Anke Szodruch (CDU). Die Kaufverträge für die insgesamt zwölf Hektar nutzbare Fläche sind noch nicht geschlossen. Es gibt noch keinen Quadratmeterpreis, die Erschließung steht erst noch bevor. Gerade läuft die europaweite Ausschreibung für die Ingenieurleistungen. „Wir hoffen, dass die Erschließung noch im Herbst beginnt, es kann aber auch Frühjahr werden“, sagt die Bürgermeisterin. Am Dienstagabend fasste die Gemeindevertretung für das Gebiet den erneuten Entwurfs- und Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan 14.

 Für die Entwässerung des Gewerbegebietes muss das vorhandene Regenrückhaltebecken neben der Firma B + M erweitert werden. Bei diesen Arbeiten darf der Lebensraum des Nördlichen Kammmolches (Triturus cristatus) nicht beeinträchtigt werden. Um dies zu verhindern, erhalten die Amphibien in der Nähe ein etwa 400 Quadratmeter großes Ersatzgewässer mit Flachwasserzonen im Uferbereich, die mit den für die Eiablage notwendigen Unterwasserpflanzen ausgestattet werden. Bagger heben das neue Becken noch in diesem Frühsommer aus. Am Rand werden Stein- und Reisighaufen aufgeschüttet, um den Tieren auch an Land Unterschlupf und Verstecke zu bieten.

 Die Kammmolche waren im vergangenen Sommer entdeckt worden: nachts im Licht einer Taschenlampe. Experten zählten mindestens zwölf Exemplare. Es ist davon auszugehen, dass sie dort nicht ausgesetzt worden sind, sondern sich das Quartier selbst gesucht haben. Die Umsetzung der maximal bis zu 20 Zentimeter großen Tiere erfolgt voraussichtlich aber erst in einem Jahr. Zunächst muss die gewohnte Unterwasservegetation umgepflanzt werden, damit sich ihr Lebensraum auch in dem neuen gut 1,20 Meter tiefen Becken entwickeln kann. Kammmolche rollen ihre Eier in Blätter von Unterwasserpflanzen ein. Auf keinen Fall dürfen in dem Teich Fische leben. Das wäre das Ende der Kammmolch-Population.

 Im Prinzip können diese Schwanzlurche ihr neues Quartier auch selber finden und besiedeln. Sie leben nicht das ganze Jahr über im Teich, sondern auch in einer Nähe von bis zu 150 Metern an Land. Die erwachsenen Tiere verlassen meist im Juli das Gewässer; einen Monat später ziehen auch die Jungmolche aufs Land. Erst nach Ende des Winters wandern die Kammmolche zurück in ihr Laichgewässer. Dann ist ein bizarres Balzritual zu erleben. Männchen können aber auch im feuchten Element überwintern. Für die, die ihre neue Heimat nicht von selbst finden, müssen Fallen und Kescher für das Einfangen genutzt werden. Dieser Umzug geschieht im kommenden Jahr zwischen März und Juli. Erst danach kann die Erweiterung des alten Regenrückhaltebeckens beginnen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Events: Rendsburg

Veranstaltungen in
Rendsburg. Aktuelle
Termine, News, Infos

Das THW-Magazin

Erfahren Sie mehr!
Einblicke hinter die
Kulissen des THW-Kiel

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Rendsburg 2/3