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Heilpflanzen bleiben beliebt

Freilichtmuseum Molfsee Heilpflanzen bleiben beliebt

„Der Stellenwert der Heilpflanzen in der Medizin ist noch heute ungebrochen“, erklärte Dr. Wilfried Krause, ehemaliger Apotheker aus Molfsee, am Sonntag im Freilichtmuseum. Noch heute liefere die Natur wichtige Grundstoffe für Heilmittel. Am Beispiel der alten Apotheke im Museum zeichnete Krause den Weg des Apothekenwesens nach.

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Der ehemalige Apotheker Dr. Wilfried Krause aus Molfsee entführte die Besucher in die historische Apotheke.

Quelle: Sven Janssen

Molfsee. „Im Mittelalter finden wir in der Klostermedizin die Anfänge unserer historischen Apotheken“, berichtete er. Ab dem 19. Jahrhundert habe sich die Pharmazie dann rasant weiterentwickelt. Begonnen habe alles aber schon viel früher mit der Suche nach Nahrung. „Durch Probieren entdeckten die Menschen nützliche und schädliche Wirkungen von Pflanzen.“ Es sei lange ein Wissen über die Wirkung geblieben, ohne die Ursachen dafür tatsächlich zu kennen. Dennoch sei hier, vor allem auch in den Klostergärten, denen auch die Anlage neben der Museumsapotheke in Molfsee nachempfunden ist, der Grundstein der Pharmazie gelegt worden.

 „Vieles hier ist so, wie es war, als ich 1963 angefangen habe zu arbeiten“, sagte der ehemalige Apotheker im Verkaufsraum der Museumsapotheke. Der ist übrigens, im Gegensatz zum Gebäude, ein Original von 1843. Das Haus ist einem Gebäude in Cismar nachempfunden, das seit 1854 eine Apotheke beherbergt.

Salben, Tees, Pillen und vieles mehr stellte der Apotheker als Vorläufer der Pharmaindustrie selbst her.

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 Hier wurden Arzneimittel noch ganz klassisch zubereitet. Die Pflanzen wurden getrocknet und dann zerstoßen. Anschließend wurde beispielsweise mit Alkohol ein Extrakt gezogen oder das Pulver als Tee aufgegossen. Auch das Versetzen mit Wein und Honig sei durchaus üblich gewesen. „Es kam vor allem darauf an, die Dinge haltbar zu machen, denn Kühlungen oder Ähnliches gab es ja nicht“, so Krause. So entstanden medizinische Weine und Sirupe, Pillen und Pulver, Räuchermittel, Klistiere, Salben und Umschlagmittel. Dafür bediente sich der Apotheker ganz unterschiedlicher Gerätschaften vom Mörser, über Pressen, Filter bis hin zum Pillenbrett und verschiedenen Gießformen.

 „Erst im Apothekenlabor im 19. Jahrhundert wurden Wirkstoffe isoliert“, erklärte Krause. Diese seien dann der medizinischen Wirksamkeit zugeordnet worden. Experimente mit isolierten Grundstoffen hätten – manchmal auch zufällig – zu wichtigen Arzneimitteln geführt. „Der wässrige Extrakt aus der Weidenrinde ist schmerzstillend, er enthält Salicin, daraus wurde Salicylsäure isoliert, die heute Grundsubstanz des Kopfschmerzmittels Acetylsalicylsäure ist.“

 Die Apotheke sei also die Urzelle der pharmazeutischen Industrie. 120000 definierte Naturstoffe seien bekannt, dagegen gebe es heute etwa 15 Millionen synthetische Verbindungen, dennoch sei ein Drittel aller Medikamente auf Basis von Naturstoffen entstanden. Die Beliebtheit von pflanzlichen Arzneimitteln sei ungebrochen, sagte Krause, der aber auch vor unbekannten Wundermitteln warnte, wie sie häufig von „Wunderheilern“ propagiert würden.

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